Diebstahlschutz

Aus Technikwiki R129
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Text und Abbildungen: Frank Risse (CR35/Seite 44)

Einführung


Gepflegte R129 beginnen langsam wieder an Wert zuzunehmen und reihen sich damit in die typische Entwicklung ihrer Vorgänger ein. Allerdings wird der R129 auch für Eigentumsdelikte – gemeinhin „Diebstahl“ genannt – interessant, so dass man geeignete Maßnahmen zum Schutz seines Eigentums ergreifen sollte.

Bevor man nun losrennt und irgendein gerade in den Medien beworbenes Hilfsmittel kauft, sollte man sich ein paar Gedanken über dessen Wirksamkeit machen. Dieser Beitrag beschäftigt sich neben dem R129 auch mit älteren und moderneren Fahrzeugen und nennt einige Sicherungsmöglichkeiten, stellt aber weder Anspruch auf Vollständigkeit noch deckt er exotische oder zukünftig mögliche Szenarien ab. Insofern ist dieser Beitrag eher als Anregung zum Nachdenken zu verstehen. Aus der ursprünglich entworfenen MindMap [Bild 1] entstand dann schließlich dieser Artikel.


Bild 1 - MindMap Diebstahlschutz



Wie immer gilt: Wer sich durch diesen Beitrag nicht angesprochen fühlt, möge ihn bitte überspringen. Für Nachbau oder eigene Versuche des Lesers übernimmt der Autor keine Verantwortung, warnt vor dem Umgang mit sicherheitsrelevanten Komponenten und empfiehlt das Aufsuchen einer Fachwerkstatt.

Betrachten wir zunächst ein paar typische Diebstahl-Szenarien:

  • Unverschlossene Autos mit sichtbar im Wagen liegendem oder sogar steckendem Zündschlüssel fallen – höflich formuliert – unter „leichtsinnig“, verbieten sich von selbst und werden hier nicht weiter betrachtet.
  • Gelegenheits- und Spritztour-Diebe lassen sich oft durch von außen gut erkennbare mechanische Sperren (etwa Parkkralle, Lenkradkralle) abschrecken.
  • Diebe mit leichtem Werkzeug (etwa Kältespray, Stechschraubendreher, Brecheisen, Bolzenschneider) und geklautem Schlüssel (gegebenenfalls auch Keyless-Go-Verlängerung) kommen bis ins Auto und werden dann nur noch durch Gangschaltsperren und Schalterlösungen aufgehalten.
  • Profis mit gutem Werkzeug und Abschleppwagen mit Hebekran sind kaum zu stoppen. Oft handelt es sich um einen Auftragsdiebstahl für das Ausland oder für die Zerlegung zwecks Teileverkauf.
  • Beleuchtung, Kameras und Alarmanlagen können stören, schrecken den motivierten Dieb aber kaum ab. Dagegen ist ein stabiles Garagentor mit Poller ein mechanisch schwer überwindbares Hindernis, auch für einen Abschleppwagen mit Kran. Teilediebe könnten aber interessiert bleiben.
  • Bei (Raub-)Überfall oder Bedrohung bitte keinen Widerstand leisten: Das Auto ist ersetzbar (zumindest der Geldwert per Versicherung), das eigene Leben nicht!



Offensichtlich können verschiedene Maßnahmen nötig werden, um einen Dieb abzuschrecken oder abzuwehren. Die vielen denkbaren Einzelpunkte mögen etwas unübersichtlich erscheinen, lassen sich jedoch – zusammen mit den grundsätzlich empfehlenswerten Schritten – grob in vier Kategorien einsortieren.

Ergänzungen

Text: Frank Risse et al (CR36/Seite 50)

Zum in der vorherigen CLASSIC ROADSTER 35 erschienenen Artikel „Diebstahlschutz“ haben mich mehrere Ergänzungen erreicht, die neben einer eigenen Erweiterung hier veröffentlicht werden. Vielen Dank an die aufmerksamen Leser für ihr aktives Mitmachen! Die hier erwähnten Ergänzungen wurden jetzt direkt am Ende der betroffenen Kapitel angefügt.

Grundsätzlich empfehlenswerte Schritte


a) Versicherung:

Die meisten auf öffentlichen Straßen fahrenden deutschen Autos sind per Haftpflicht und Teilkasko versichert, oft auch per Vollkasko. Damit ist eine grundlegende Absicherung gegeben. Bei genauerem Hinsehen können für Young- und Oldtimer, noch eher für Veteranen, aber noch Ergänzungen sinnvoll sein. Beispiele dafür sind:

  • Vollkasko inkl. Vandalismus-Absicherung, damit kleinere Kratzer nicht den Spaß verderben.
  • Auslandsschadenschutz, damit Unfallschäden im Ausland von der eigenen Versicherung abgedeckt werden, egal ob der Unfallgegner versichert ist oder nicht.
  • Gutachten zum Auto, damit Zustand und Wert nachweisbar sind. Das Gutachten sollte regelmäßig (z. B. alle paar Jahre) erneuert und der Versicherung als Kopie übergeben werden, so dass dort immer der aktuelle Wert bekannt ist.


b) Autoschlüssel:

Jedes Auto hat mindestens zwei Schlüssel, bei Oldtimern und Veteranen oft auch mehr, etwa für das Handschuhfach und den Kofferraum. Im Normalfall sollten die Schlüssel im Tresor liegen, so dass sie bei einem Einbruch ins Haus nicht so leicht geklaut gestohlen werden können.

  • Bei Ausflügen sollte der Zweitschlüssel entweder mitgenommen werden oder im Tresor verbleiben, aber nicht sichtbar am häuslichen Schlüsselbord hängen bleiben. Speziell beim R129 sollte man bei weiten Reisen den Zweitschlüssel besser mitnehmen, da es leider immer wieder vorkommt, dass man versehentlich die Jacke mitsamt Schlüssel im Kofferraum einschließt. Ohne Zweitschlüssel kostet das eine Zugfahrt nach Hause und wieder zum R129 – und das muss man nicht unbedingt haben.
  • Bei Infrarot- oder Funkschlüsseln sollte eine Reservebatterie im Fahrzeug vorhanden sein. Beim R129 lässt sich mit leerer Schlüsselbatterie die Tür zwar mechanisch aufschließen, wobei gegebenenfalls die Alarmanlage losgeht, die Wegfahrsperre verhindert jedoch den Motorstart. Erst das elektronische Aufschließen per Infrarot- oder Funkschlüssel entsperrt die Steuergeräte. Daher ist eine neue Reservebatterie im Wagen immer hilfreich – mitunter auch als freundliche Hilfe für andere Mercedes-Fahrer mit leerer Schlüsselbatterie.


c) Wertgegenstände

Im Auto sollte nichts offensichtlich Wertvolles sichtbar liegengelassen werden, um einem möglichen Dieb keinen Anlass zum Einbruch zu geben.

Ergänzung Fahrzeugschlüssel

Hinweis von Konrad Engelhardt (CR36/Seite 50)

Bei den im R129 verwendeten Fahrberechtigungssystemen (FBS) ist das Mitführen einer Schlüssel-Reservebatterie ab FBS 2a nicht mehr notwendig, da der Schlüssel im Zündschloss induktiv mit Energie versorgt wird und das Fahrzeug somit auch bei leerer Schlüsselbatterie gestartet werden kann. Technischer Hintergrund: Siehe hier . Sinnvoll ist die Reservebatterie trotzdem, um weiterhin die komfortablen Fernbedienungsfunktionen des Schlüssels nutzen zu können. Außerdem sollte, wie in der Bedienungsanleitung erwähnt, immer ein Reserveschlüssel mitgeführt werden, da auch mal die Elektronik des Hauptschlüssels versagen kann.

Mechanische Sperren


Mechanische Hindernisse oder Sperren am Auto oder um das Auto herum helfen gegen ungewolltes Entfernen des Autos. Sie zeigen dem Dieb aber auch, dass hier mit Mehraufwand (Werkzeug, Lärm, vor allem aber Zeit) zu rechnen ist, was Gelegenheitsdiebe bereits abschrecken könnte.

a) Garage:

Die Garage – insbesondere Tor, Seitentür und Fenster – sollten so abgesichert sein, dass sie noch bequem zu handhaben sind, aber doch das unerlaubte Eindringen in die Garage deutlich erschweren.

  • Ein stabiles Metalltor erschwert das Aufschieben beziehungsweisezw. Aufhebeln und somit das Eindringen in die Garage. Bei elektrischem Torantrieb sollte im Urlaub oder bei längerer Abwesenheit der Motor vom Stromnetz getrennt werden. Weiterhin sollte die Torfernbedienung einen rotierenden Verschlüsselungscode haben, weil die sehr einfachen früheren Codes leicht abgreifbar sind und so der Dieb das Tor selbst leicht öffnen kann. Details kennt der Torhersteller.
  • Eine passend abgelängte Dachlatte in jeder Laufschiene [Bild 2] blockiert bei Nichtnutzung des Autos (etwa im Winter oder bei längerer Abwesenheit) das Öffnen des Tors. Einfache Kabelbinder verhindern das Herausfallen und gegebenenfalls das Beschädigen des darunter stehenden Autos – auch bei sehr intensivem Rütteln am Tor (etwa bei böigem Wind oder durch den Dieb).
Bild 2 - Garage Laufschiene mit Dachlatte


  • Bei der Schließung des Tors sollte sich zumindest einer, vorzugsweise mehrere Sperr-Riegel seitlich oder unten / oben im Rahmen verankern [Bild 3].
Bild 3 - Garage Quersperre


  • Die Seitentür sollte auch gesichert werden, etwa durch Schloss oder Querriegel, da das Tor sonst vom Dieb von innen entriegelt und die Schutzmaßnahmen entfernt werden können und somit nutzlos sind.!
  • Tor und Seitentür sollten möglichst auch an den Hausalarm angeschlossen werden [Bild 4].
Bild 4 - Garage Tor-Alarm


Eine Garage alleine ist jedoch wirkungslos gegen das Aufschneiden des Tores per Flex oder Plasmaschneider.

Hinweis: Bei Garagenhöfen mit vielen Einzelgaragen darf man meist keine eigenen Sicherungsmaßnahmen in die angemietete Garage einbauen. Das wissen auch die Diebe und gehen nach einem allgemeinen Hinweis (etwa „in dem Hof steht ein teurer SL“) oft so vor, dass sie pro Garage zunächst ein unauffälliges kleines Loch ins Tor bohren und per Endoskop-Kamera das Auto und die Sicherungsmaßnahmen ausspähen. Bei Interesse (wertvolles Auto und geringe Sicherung) wird ein handgroßes Loch zum Durchfassen und Entriegeln des Tores gesetzt – schon ist das Auto weg. So können Diebe in kürzester Zeit ganze Höfe abarbeiten und mit vollen Autotransportern inklusive Beifang davonfahren. Solche Garagenhöfe sind also nicht gerade der sicherste Abstellplatz.

b) Poller:

Ein vor beziehungsweise hinter dem Auto im Boden verankerter abnehmbarer Poller [Bild 5] (etwa Wolff Multiblocker) verhindert das ungewollte Wegbewegen des Autos.

Bild 5 - Poller (Wolff Multiblocker silber)


  • In der Auffahrt blockiert der Poller sowohl das nahe Herankommen des Transportwagens der Diebe auf die Auffahrt als auch das Wegrollen (etwa auf Bodenrollern, Rangierhilfen) des Autos.
  • In der Garage direkt hinter dem Tor verhindert der Poller das Herausschieben oder -ziehen des Autos, aber auch – bedingt durch die geringe Garagenhöhe – das Herausheben per Kran.

Der massive Pollerfuß wird flach am Boden montiert. Der Pollerkopf wird im Fuß eingeklinkt und widersteht auch brutalen Hebel- und Zerrversuchen, etwa per Abschleppseil. Der gesamte Poller ist aus Metall und hat interne Sägeblockaden, ist also kaum kleinzukriegen. Das hat auch seinen Preis, ist aber garantiert günstiger als der Verlust des eigenen Schätzchens.

Solange das Auto also in der geschlossenen Garage hinter dem Poller steht, ist es dort kaum wegzubekommen. Im Freien ist ein Poller jedoch wirkungslos gegen einen Hebekran, der das Auto über Poller und gegebenenfalls Zaun hinweg auf die Stellfläche des Abschleppwagens hebt.

c) Parkkralle:

Die Parkkralle [Bild 6] wird außen an einem Rad des Fahrzeugs montiert und verhindert das Wegrollen und die Rad-Demontage. Sie ist günstig, leicht montierbar und gut von außen zu sehen (Abschreckung). Wirkungslos gegen Kältespray, Bolzenschneider, Rangierhilfen oder einen Kran.

Bild 6 - Parkkralle




d) Lenkradkralle:

Die Lenkradkralle [Bild 7] wird im Fahrzeug am Lenkrad befestigt und verhindert dessen Drehung. Mitunter wird sie auch zwischen Lenkrad und Pedalen eingespannt und verhindert sowohl das Drehen des Lenkrads als auch die Pedalbewegung. Wie die Parkkralle ist sie günstig, leicht montierbar und gut von außen zu sehen (Abschreckung). Beim R129 bietet sich hier die Blockade des Bremspedals an, da es – zumindest bei späteren Automatikgetrieben – zum Lösen des Wählhebels aus der Parkstellung getreten werden muss. Wirkungslos gegen Kältespray, Bolzenschneider, Rangierhilfen oder einen Kran.

Bild 7 - Lenkradkralle




e) Getriebesperre:

Die Getriebesperre [Bild 8] (etwa Bear-Lock) verhindert die Bewegung des Gangschalthebels. Sie wird innen im Fahrzeug fest am Getriebetunnel montiert und ist nur mit schwerem Werkzeug zu überwinden. Da sie von außen jedoch kaum sichtbar und damit nicht abschreckend ist, verhindert sie nicht den Einbruch ins Auto. Wirkungslos gegen Rangierhilfen oder einen Kran.

Bild 8 - Gangschaltsperre Skizze (Bear-Lock)




f) Felgenschloss:

Ein Felgenschloss wird außen an jedem Rad montiert und verhindert das Abmontieren und Mitnehmen des Rades. Es hat jedoch keinerlei(!) Wirkung gegen den Diebstahl des Autos und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Ergänzung Garagentor

Hinweis von Egmont Schmidt (CR36/Seite 50)

Zur mechanischen Sperrung des Garagentores stellt der Artikel unter anderem passend gekürzte/abgelängte Dachlatten in den Laufschienen vor, die mit Kabelbindern gegen mögliches Herausfallen gesichert werden. Als Alternative dazu können die Laufschienen auch mit Schraubzwingen versperrt werden. Vorteile sind die unendliche Wiederverwendbarkeit und der Entfall der passenden abzulängenden Dachlatten und Kabelbinder beziehungsweise Knotenband.

Ergänzung Poller

Hinweis von Frank Risse (CR36/Seite 50)

Im Artikel sollten als Beispiel noch weitere Hinweise zum und Bilder vom Poller (Wolff Multiblocker) erscheinen, die jedoch nicht mehr rechtzeitig fertig wurden. Hier nun also die Infos, was bei meinem Poller enthalten war [Bild 1], wie so etwas in der Garage montiert werden kann sowie einige ergänzende Hinweise.

Bild 1 - Lieferumfang Wolff Multiblocker


Voraussetzung für den Einbau sind – neben dem Vorhandensein des Pollers – folgende Punkte:

  • Zwischen Tor und Fahrzeug müssen mindesten 27 Zentimeter Platz sein (= Bodenplattenrand plus Pollerdurchmesser).
  • Das Fahrzeug muss mindestens vier Zentimeter (= Sockeldicke) Bodenfreiheit haben – was bei unseren R129 kein Problem darstellen sollte.
  • Der Betonboden muss mindestens zehn Zentimeter dick sein. Das ist in Deutschland ein Minimalmaß und sollte in allen deutschen Garagen erfüllt sein.


Zur Montage werden vier Löcher in den Betonboden gebohrt, die beiliegenden Gewindestangen darin vergossen, der Sockel aufgelegt und festgeschraubt. Anschließend kann der Poller eingesetzt und verriegelt werden – fertig ist die praktisch unknackbare Sperre.

Die Pollerfarben Weiß, Rot und Silber sind aufpreisfrei zu haben, auf Nachfrage ist wohl auch jede andere Farbe möglich. Der Sockel wird unlackiert geliefert. Mein Poller ist rot, weil er auch bei Dämmerung gut sichtbar (schlecht bei Silber) und trotzdem nicht staubempfindlich (schlecht bei Weiß) sein soll. Den Sockel habe ich gelb lackiert, damit er auch nachts gut sichtbar ist.

Beim versehentlichen Anfahren des Pollers könnten Schrammen oder Bruch am Fahrzeug entstehen, was durch Befestigung eines elastischen Puffers aus festem Schaumstoff oder ähnlichem Material um den Pollerkopf vermieden werden kann [Bild 2].

Bild 2 - Fertig montierter Poller


Damit man auch nicht vergisst, vor dem Losfahren den Poller wegzunehmen, kann man zur besseren Sichtbarkeit aus dem Fahrzeug heraus eine senkrechte elastische Stange (etwa ein PU-Leerrohr) mit Fähnchen am oberen Ende am Poller befestigen.

Elektronische Sperren

Seit gut 30 Jahren wird immer mehr Elektronik in die Autos eingebaut, etwa Sicherheitssysteme (Antiblockiersystem, Airbag, Pre-Safe, …), Motorsteuergeräte mit Schnittstellen (OBDI, OBDII), Fahrwerkssysteme (ADS, …), Komfortelektronik (Sitze, Klima, Kombiinstrument, Displays, Musik, Internet, …) und weitere Komponenten. Neben dem offensichtlichen Mehrwert dieser Systeme können sie aber auch ausfallen, gefolgt von einer oft teuren Reparatur, oder sogar als Einfallstor für einen möglichen Diebstahl missbraucht werden.

Die folgenden Ansätze bauen auf den im Auto vorhandenen Komponenten auf beziehungsweise ergänzen sie und sichern das Fahrzeug damit besser gegen Diebstahl ab. Auch Außenkomponenten können hier helfen.

a) Beleuchtung/Überwachung:

In der Nacht kann ein Dieb, geschützt durch die Dunkelheit, weitgehend unauffällig agieren. Das kann man durch eine nächtliche Beleuchtung von Auffahrt und Abstellplatz per Strahler [Bild 9], gegebenenfalls gekoppelt an einen Bewegungsmelder, mit geringem Aufwand abstellen und den Dieb abschrecken.

Bild 9 - Strahler


Eine zusätzlich montierte Kamera [Bild 10] überwacht das Gelände und hilft sowohl bei der Abschreckung als auch bei der Erkennung möglicher Eindringlinge. Allerdings sind einige rechtliche (etwa Datenschutz) und technische (etwa Nachtaufnahme, Bildauflösung) Randbedingungen zu beachten und weitere Komponenten nötig (etwa Aufnahmespeicher), um eine Kamera auch sinnvoll einsetzen zu können und zu dürfen. Nur Abschreckung, außerdem wirkungslos bei Stromausfall und Laternenparkern.

Bild 10 - Außenkamera


b) Wegfahrsperre/Alarmanlage:

Seit 1998 muss jedes in Deutschland neu zugelassene Auto eine elektronische Wegfahrsperre aufweisen. Oft ist diese an die Fernbedienung gekoppelt oder muss per RFID freigegeben werden. Ältere Fahrzeuge lassen sich nachrüsten, was für einen Dieb ein unerwartetes Hindernis darstellt.

Eine Alarmanlage (auch Einbruch-Diebstahl-Warnanlage, EDW) ist nicht vorgeschrieben, jedoch wurden – insbesondere in hochwertigen Autos – schon früher Alarmanlagen ab Werk eingebaut, die per Hupe/Sirene und blinkenden Lichtern einen unzulässigen Öffnungsversuch anprangern. Dadurch werden zumindest Gelegenheitsdiebe erschreckt und vertrieben. Eine Alarmanlage kann man auch kostengünstig nachrüsten.

Allerdings lösten in der Vergangenheit einige überempfindlich eingestellte Anlagen öfter Fehlalarme aus, wodurch eine gewisse Abstumpfung in der Wahrnehmung der Menschen eingetreten ist – ein weiterer Alarm wirkt eher störend als aufschreckend.

Wirkungslos gegen Profis und Abschleppwagen mit Kran.

c) Batterie unterbrechen:

Wenn der Dieb bereits ins Auto eingebrochen ist, kann man zumindest das Wegfahren verhindern. Eine Möglichkeit ist das Unterbrechen der Batterie, so dass der Motorstart nicht mehr funktioniert. Dazu wird eine zweiteilige Verbindung zwischen Batteriepluspol und Pluskabel gesetzt und per Handschraube verbunden [Bild 11]. Die Handschraube kann leicht abgenommen und die Verbindung damit gelöst werden – schon ist die Batterie abgeklemmt. Dieser einfache Unterbrecher wird gerne bei älteren Fahrzeugen eingesetzt, bei denen noch keine empfindliche Elektronik vorhanden ist. Das wirkt jedoch nur bei Spritztour-Dieben. Alle anderen kennen den uralten Trick längst und haben eine Handschraube dabei oder rücken gleich mit einem Abschleppwagen an.

Bild 11 - Batterie-Unterbrecher


d) Anlasser unterbrechen:

Auch hier soll das Wegfahren verhindert werden, diesmal durch Unterbrechung des Anlassers, so dass der Motor nicht mehr startet. Dazu wird hinter dem Zündschloss der Stromkreis (Schwachstrom) zum Anlasser-Relais mit einem Schalter unterbrochen, so dass der Anlasser nicht mehr anläuft. Auch dieser Trick ist schon alt, aber nicht so schnell zu überwinden, da der Dieb erst mal den Schalter finden muss. Für den Schalter bieten sich mehrere Varianten an:

  • Wippschalter [Bild 12] an versteckter Stelle im Auto einbauen: einfach, preiswert und Werkstatt-kompatibel. Nachteilig ist, dass der Schalter mit der Zeit vom Dieb erfühlt werden kann.
Bild 12 - Schalter (Wippschalter 1x Um


  • Reedkontakt [Bild 13] (kein erfühlbarer Schalter) irgendwo unter das Plastik des Armaturenbretts legen und mit einem kleinen starken Magneten an der richtigen Stelle entriegeln: einfach und preiswert, allerdings erklärungsbedürftig für eine Werkstatt. Außerdem ist der Reedkontakt nur geschlossen, solange der Magnet dort anliegt, muss also für jeden Start angelegt werden.
Bild 13 - Schalter (Reed-Kontakt)


  • Codeschloss mit Tastatur oder Drehgeber [Bild 14, 15] anstatt Schalter an versteckter Stelle im Auto einbauen: Der Einbau erfordert etwas mehr Aufwand, zusätzlich ist eine Tastatur recht groß und nicht so leicht zu verstecken wie etwa ein Drehgeber. Dafür ist das Codeschloss nur mit viel Zeitaufwand zu knacken. Mit der Zeit kann der Dieb aber die zu- und abgehenden Kabel finden und kurzschließen.

Ergänzend kann man im abgeschalteten Zustand mit einem kleinen Relais die Hupe ansteuern, so dass das Auto beim Startversuch hupt. Das erschreckt den Dieb und verscheucht ihn hoffentlich. Wirkungslos gegen Profis und Abschleppwagen mit Kran.

Bild 14 - Codeschloss Tastatur (Sebury BC-2000)
Bild 15 - Codeschloss Drehgeber (Velleman K8082)


e) Kraftstoffpumpe unterbrechen:

Wieder soll das Wegfahren verhindert werden, jetzt durch Unterbrechung der Stromversorgung der Kraftstoffpumpe analog zum vorigen Punkt „Anlasser unterbrechen“, wodurch der Motor keinen Sprit mehr erhält. Es gelten die gleichen Varianten wie dort. Allerdings kann es Probleme mit der Straßenverkehrsordnung geben, da der Motor nach ein paar Sekunden ausgeht, wodurch Servolenkung und -bremse ausfallen und das Auto nicht mehr verkehrssicher ist.

Bei Dieselfahrzeugen – also nicht beim R129 – kann es zu einem möglichen Defekt wegen Trockenlaufs der Dieselpumpe kommen und eine teure Reparatur nach sich ziehen.

f) OBDII-Buchse sperren (nicht beim R129):

Neuere Fahrzeuge nach dem Jahr 2000 – also keine R129 mehr – haben eine genormte Buchse für On-Board-Diagnostics vom Typ II (kurz OBDII), über die eine vom Dieb mitgebrachte Elektronik in die Auto-Steuergeräte „einbrechen“ und dort die Fahrfunktionen freischalten kann. Zum Verhindern eines elektronischen Einbruchs über die OBDII-Buchse sind beispielsweise folgende Ansätze denkbar:

  • OBDII-Buchse mechanisch versperren [Bild 16] (etwa Bear-Lock), so dass kein Stecker mehr eingesteckt werden kann. Dazu wird die Buchse in einen Metallkäfig eingebaut, der per Schloss absperrbar ist.
  • OBDII-Leitung (nur die Kommunikationsdrähte) unterbrechen und über Schalter reaktivieren. Die Unterbrechung kann per Wippschalter oder Reed-Kontakt erfolgen, ähnlich wie beim Anlasser (siehe oben). Damit kann sich ein Dieb mechanisch an die Buchse anschließen, aber keinen elektronischen Kontakt mit den Systemen herstellen.



Bei "Keyless-Go" und abgefangenen Funksignalen ist das allerdings sinnlos, da sie direkt von den Steuergeräten empfangen und verarbeitet werden, ohne dass die OBDII-Buchse dabei relevant ist.

Bild 16 - OBD-Sperre Skizze (Bear-Lock)


g) Elektronik unterbrechen:

Theoretisch könnte man die Steuergeräte stilllegen, etwa per Schalterlösung wie beim Anlasser (siehe oben). Allerdings kann davon nur dringend abgeraten werden, da – etwa beim R129 – viele Steuergeräte eine Unterspannung als Fehler melden und danach in den Notlauf gehen. Weiterhin kann es zu möglichen Kommunikationsfehlern zwischen den Geräten kommen. Das ist zwar in einer entsprechend ausgestatteten Werkstatt behebbar, aber abseits der eigenen Gefilde – zum Beispiel im Urlaub – sind solche Werkstätten oft rar. Weiterhin können die Geräte bei der Montage oder beim Aus- und Einschalten Schaden nehmen, was eine teure Reparatur nach sich ziehen kann.

Ergänzung Elektronik unterbrechen

Hinweis von Konrad Engelhardt (CR36, Seite 51)

Beim Trennen von der Versorgung legt kein Steuergerät einen Fehler ab und beim Anschließen geht es nicht in den Notlauf, sondern startet dann ganz normal. Aber wie bereits beschrieben gilt: Finger weg von den Steuergeräten.
Technischer Hintergrund: Bei Unter-/Überspannung werden Funktionen abgebrochen, und erst nach einer festgelegten Zeitdauer von etlichen Sekunden erfolgt ein Fehlereintrag. Die Definition der Unterspannung kann je nach Funktion des Steuergerätes unterschiedlich sein. Ein Motorsteuergerät muss auch bei 6 V während des Anlassvorgangs noch das Starten des Motors sicherstellen, während für andere Steuergeräte Werte unter 9 Volt als Unterspannung gelten können. Als Überspannung gelten Werte über 16 V. Diese kann zum Beispiel auftreten, wenn bei laufendem Motor die Batterie vom Bordnetz abgetrennt wird. Die normale Bordnetzspannung des R129 liegt je nach Betriebszustand zwischen ca. 11,5 V – 14,5 V.

Nachverfolgung


Wenn das Auto weg ist, kann man zumindest versuchen herauszufinden, wo es ist. Bei auf dem freien Markt auftauchenden Autoteilen ist vielleicht auch erkenn- und beweisbar, dass einem das Teil mal gehört hat. Einige Varianten werden hier kurz vorgestellt.

a) GPS-Tracker:
Das Fahrzeug wird mit einem Tracker [Bild 17] (etwa von PAJ) an versteckter Stelle ausgerüstet. Der etwa handtellergroße Tracker enthält einen elektronischen GPS-Empfänger zur Positionsbestimmung per Satellit sowie eine Mobiltelefonkarte zur Abfrage und Übertragung von GPS- und Fahrzeugdaten, meist auch eine Batterie zur autarken Stromversorgung, zumindest aber einen Stützakku, falls die Verbindung zur Autobatterie getrennt wird.

Bild 17 - GPS-Tracker (PAJ Professional Finder 3.0)


Der Autobesitzer kann jederzeit die Fahrzeugposition und oft auch weitere Zustandswerte seines Autos (beispielsweise den Batteriestand) nachverfolgen. Die Information wird meistens per SMS mit GPS- und Fahrzeugdaten bereitgestellt, manchmal auch – deutlich komfortabler – per grafischer Kartendarstellung im Internet-Portal, abrufbar per Computer, Tablet oder Handy [Bild 18].

Bild 18 - GPS-Wegpunkte im Portal (PAJ App))


Oft sind mehrere Zonen (Geo-Fencing) einrichtbar, etwa für Zuhause und Büro. Erst außerhalb der Zone(n) schlägt der Alarm an. Bei Portal-basierten Lösungen ist oft auch ein historischer Rückblick möglich, etwa die Bewegungen der letzten 90 Tage.

Kosten fallen beim Kauf des Gerätes (Einmalkosten; ab 100 Euro) und bei der Positionsabfrage beziehungsweise Übermittlung (SMS via Mobilfunk, meist per SIM-Karten-Abo; ab pauschal 50 Euro pro Jahr) an. Bei Bedienung, Komfort und Gesamtkostenvergleich, aufsummiert über zehn Jahre, unterscheiden sich die unterschiedlichen Geräte und Hersteller deutlich, man sollte sich also vorher einen Überblick verschaffen.

Vorteile:

  • Jederzeit mögliche Ortung des Autos.
  • Alarmmeldung bei Autobewegung oder anderer Aktivität (etwa Batterie fast leer)

Nachteile:

  • Keinerlei Wirkung gegen den Diebstahl des Fahrzeugs.
  • Blockade durch den Dieb per GPS-Blocker (stört Ortung) und GSM-Jammer (stört Mobilfunk) ist sehr einfach und für kleines Geld (teilweise unter 20 Euro) möglich.
  • Im Container (auch im Metallaufbau eines PKW-Transporters) besteht keine Verbindung zum Funknetz, so dass keine Nachverfolgung möglich ist.



b) NFC-Chip:
An allen teuren und damit klau-kritischen Fahrzeugteilen wird an versteckter Stelle (etwa am Innenblech der Tür oder des Kotflügels) ein flaches NFC-Plättchen [Bild 19] (etwa von Micare) versteckt angebracht, flach überspachtelt und grundiert/lackiert, so dass es nicht mehr auffällt. Die Kennung des NFC-Plättchens wird im Internet beim Missing Car Register (Micare) registriert und somit ein Eigentumsnachweis für dieses Autoteil geschaffen.

Bild 19 - NFC-Chips (Micare))


Das NFC-Plättchen etwa in der Größe einer Ein-Euro-Münze enthält neben dem winzigen Chip noch eine Antenne, welche sowohl die Kommunikation ermöglicht als auch zur Energiegewinnung dient, da NFC-Chips keine Batterie haben. Die Nahfeldkommunikation (englisch: Near Field Communikation, NFC) hat nur eine Reichweite von wenigen Zentimetern und erfolgt entweder über ein Handy mit NFC-Ausstattung oder ein spezielles Gerät. Dabei sendet das Handy eine bestimmte Frequenz aus, die vom NFC-Plättchen empfangen wird und gleichzeitig genug Energie überträgt, um eine Antwort – eben die Kennung – vom Chip zurücksenden zu können.

Mit einem NFC-fähigen Handy kann an der „richtigen“ Stelle dicht am Blech geprüft werden, ob dort ein NFC-Plättchen existiert und welche Kennung es trägt. Diese Kennung kann im Internet nachgesehen und somit leicht der tatsächliche Besitzer ermittelt werden.

Kosten fallen beim Kauf mitsamt Registrierung der NFC-Plättchen an (etwa 12 Stück für 80 Euro), gegebenenfalls auch bei deren professioneller Anbringung.

Vorteile:

  • Identifikationsmöglichkeit und Besitznachweis für gechipte Fahrzeugteile, falls diese auf dem "freien Markt" auftauchen.

Nachteile:

  • Keinerlei Wirkung gegen den Diebstahl des Fahrzeugs.
  • Die NFC-Chips können gefunden und entfernt werden. Teilediebe wissen, wie das geht.



c) Scheibengravur:
Alle Scheiben des Fahrzeugs werden mit einer Kennung graviert, die – ähnlich wie NFC-Plättchen – im Internet nachgesehen und darüber der tatsächliche Besitzer ermittelt werden kann. Kosten fallen nur bei der Gravur und der Registrierung der Kennung an.

Vorteile:

  • Identifikation von gravierten Scheiben, falls diese auf dem "freien Markt" auftauchen.
  • Die Gravur verschreckt primär Teilediebe für Scheiben.

Nachteile:

  • Keinerlei Wirkung gegen den Diebstahl des Fahrzeugs.
  • Wer ein besonders wertvolles Auto stehlen will, besorgt sich halt „woanders“ noch einen Satz ungravierter Scheiben.


Fazit

Vielleicht ist die eine oder andere Maßnahme durchaus von Interesse, um das eigene Fahrzeug besser abzusichern. Je nachdem, welchen Aufwand man betreibt, kann man es einem Dieb schon gehörig schwer machen.

Übrigens steht der Club mit einigen Anbietern in Kontakt, um für unsere Clubmitglieder einen Preisnachlass abzustimmen. Der Vorstand wird – wenn es soweit ist – ein entsprechendes Rundschreiben verteilen.


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