Wenn der Fensterheber viel Zeit hat
Text und Fotos: Kai Bürger (CR38/S70)
Auf der Suche, warum meine elektrischen Fensterheber immer langsamer wurden, bin ich zuerst den Dichtungsgummis und dem Zierstab außen näher gerückt. Aber nach dem Tausch der Halteklammern des Stabes blieb dieser mit dem Gummi in seiner Position, aber das Fenster quälte sich weiter.
„Hilft nichts, alles auseinander bauen und neu fetten“ dachte ich mir. Die Demontage der Türtafeln war mir aus vorherigen Reparaturen bereits eingehend bekannt und ich löste die notwendigen Schrauben und Clipse, bis ich die Tafel abnehmen konnte. Um an die Zahnkränze der „Fensterheber Schere“ (Mechanik des Hebers) zu kommen, musste noch die Schmutzfolie zum Teil entfernt werden.
Ich entfernte sämtliches altes, schon teilweise sehr hartes Fett und schmierte alles mit Siliconfett neu ab. Ich entschied mich dafür, weil verschiedene Führungselemente aus Kunststoff verbaut sind. Nach mehrmaligem Fahren war das Ergebnis aber immer noch nicht zufriedenstellend. Also kam für mich nur noch das Getriebe des Stellmotors selbst in Frage. Also, Motor ausgebaut, auf die Werkbank gelegt und geöffnet. Zum Glück ist das bei diesem Modell noch möglich, da der Deckel des Getriebes komplett verschraubt ist. Als ich den Deckel abnahm, war ich recht sprachlos.
Das Getriebe war überzogen mit einer Schicht aus altem Fett und jeder Menge Rost vom Deckel. Ein Wunder, dass sich hier überhaupt noch etwas bewegt hat. Die Vermutung liegt nahe, dass sich hier Feuchtigkeit eingeschlichen hat. Die Dichtung oder das, was noch übrig war, sah auch danach aus. Da dieses Teil natürlich nur im Ganzen auf dem Ersatzteilmarkt zu bekommen ist und auch zu dementsprechenden Preisen, habe ich mich an eine Überholung gemacht.
Fett und Rost wurden entfernt und das Getriebegehäuse ordentlich gespült. Eine Demontage war leider nicht möglich, da innen alles genietet ist. Der Deckel sowie die Aufnahme des Zahnkranzes wurden entrostet und anschließend mit einem 2K-Epoxydharz Grundierfüller behandelt und anschließend lackiert. Die alte Korkdichtung wurde durch eine neue, selbst angefertigte ersetzt. Geschätzt hatte die ursprüngliche 1,0/1,2 mm Dicke. Die neue wurde aus einer Matte mit 1,5 mm Dicke angefertigt.
Der Probelauf mit einem Labornetzteil war positiv. Damit konnte der Motor wieder zusammengesetzt und eingebaut werden. Das Ergebnis war wie gewünscht. Ruhiger, zügiger Lauf.
Als ich den Motor der Beifahrerseite ausgebaut hatte und öffnete, war ich wieder erstaunt. Allerdings positiv. Dieser sah von innen aus wie neu. Möglicherweise wurde dieser mal ersetzt. Auch hier fettete ich aber nach und verschloss diesen ordentlich.
Aufgrund der Komplexität der durchgeführten Arbeiten habe ich die einzelnen Schritte hier nicht weiter beschrieben. Hierzu kann man mich gern direkt ansprechen. Mechanisches Geschick und Grundkenntnisse in der Fahrzeugelektronik sollten vorhanden sein.
Mir ist mit diesem Artikel wichtig, dass das Bewusstsein geschärft wird, dass sich viele Komponenten unseres R129 reparieren lassen (zum Beispiel auch das Getriebe des Schweibenwischers), auch wenn Mercedes oder eine andere Fachwerkstatt das nicht anbietet. Es muss nicht immer ein komplettes Neuteil für einige hundert oder tausend Euro sein.






