Lackaufbau R129

Aus Technikwiki R129
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Text: Karl-Heinz Hollas † (G4/S23)


... oder der „verdammte Wasserbasislack“

Immer wieder kommt die Frage zum Lack des R129… der hat doch Wasserlack, oder? An dieser Stelle möchte ich einige Anmerkungen zu dieser Thematik loswerden.

Fangen wir beim Blech an

Karosseriebleche werden als Coil, das ist die Rolle aufgewickeltes Blech, im Presswerk angeliefert. Aus dieser Rolle werden dann die sogenannten Platinen geschnitten. Im nächsten Arbeitsgang wird mit einem Stanzwerkzeug das noch ebene Blech umgeformt, es entsteht z. B. ein Kotflügel. An den Schnittkanten der Platinen hat sich mehr oder weniger Stanzgrat gebildet, abhängig vom Zustand des Schnittwerkzeuges. Dieser Stanzgrat ist das eigentliche Problem, aber hierzu später dann mehr.

Schauen wir uns mal den Prozess im Werk bis zur lackierten Rohkarosserie an

Nach der Herstellung der Karosserieteile werden diese im Rohbau, so wird die Karosseriefertigung genannt, zu einer Karosserie zusammengeschweißt, genietet oder geschraubt. Nachdem die Rohkarosserie nun fertiggestellt ist, muss diese für die folgende Oberflächenbeschichtung gereinigt werden. Jede Menge „Ziehfett, Schleifstaub und Schweißperlen müssen entfernt werden. Es geht in das ca. 50 Grad warme Entfettungsbad, weiter in das Spülbad und dann zum Phosphatieren. Hier wird die Karosserie für die nun folgenden Stationen vorbereitet und mit einer sogenannten Konversationsschicht versehen. In gewisser Weise ist dies schon der erste Korrosionsschutz. Der eigentliche Schutz gegen Rost wird in dem folgenden KTL-Bad aufgetragen. Die kathodische Tauchlackierung, auch „Kataphorese“ genannt, ist ein elektrochemisches Verfahren, bei dem die Karosserie in einem Tauchbad beschichtet wird. KTL ist ein Standardverfahren zur Sicherstellung des Korrosionsschutzes bei Fahrzeugkarosserien.

Entstehung des Stanzgrat am Blech
Entstehung des Stanzgrat am Blech


Jetzt kommen wir zu der eigentlichen Lackierung

Füller wird aufgetragen, Basislack wird in zwei Schichten aufgetragen und eben dieser Basislack ist wasserlöslich. Abschließend kommt der Klarlack als letzte Schicht dazu. Seit ca. 2000 ist dies ein hochkratzfester Lack, dem auch eine Waschanlage kaum was anhaben kann. Zwischen den verschiedenen Lackschichten wird immer wieder geschliffen und gereinigt. Anzumerken ist auch, dass die Bleche, die in einem Mercedes verarbeitet werden und in rostgefährdeten Bereichen verbaut sind, in aller Regel einseitig galvanisch verzinkt sind.


Lack -Phosphatierung
Lack -Phosphatierung
Lack -KTL
Lack -KTL


Nun stellt man sich die Frage, ja warum rosten dann einige Fahrzeuge?

Der Grund bzw. Übeltäter ist der schon erwähnte Stanzgrat. Dieser ist unter anderem abhängig von der Güte und dem Verschleiß des Schnittwerkzeuges. Dieser Stanzgrat, den wir uns einmal als einen Bergkamm vorstellen, wird an einigen Gipfeln keinen Lack aufnehmen und an diesen Stellen praktisch ungeschützt aus der Lackschicht ragen. Es ist eine Frage der Zeit, wann der Sauerstoff der Luft an diesen Stellen das Metall zum Rosten bringt. Auch ein nicht auf Wasserbasis hergestellter Lack würde an dieser Tatsache nichts ändern.

Lack -Basislack
Lack -Basislack
Lack -Klarlack
Lack -Klarlack



Main Page