Kaufberatung Motor
Text: Klaus J. Eßer (G4/S21)
... Ein 500er muss her.
Richtig, bravo! Welcher, das erfordert ein paar Überlegungen (das Budget* lassen wir mal außen vor):
- Was wird mit dem Auto gemacht? Alltag, Urlaub, ganz selten mal gerollt...?
- Wer soll es technisch pflegen/unterhalten?
- Wie wichtig sind Kosten?
- Wie wichtig ist moderne Fahrhilfe (ESP)?
- Wie wichtig sind (4) Airbags?
- Wie viel Freude hat man am "Motorenbau"?
Für ein Alltagsauto ist der "moderne" Mopf 2 mit M113 und ESP die beste Lösung. Absolut top in Sachen Ökonomie und Unterhalt. Das serienmäßige ESP macht ihn narrensicher. Die werksseitig eingeflossenen Einsparungen sind eher unwichtig und im Betrieb nicht wahrnehmbar. Die Werkstatt hat volle Diagnose, und Service Assist minimiert den Wartungsaufwand. Nur der Korrosionsschutz erfordert regelmäßige Aufmerksamkeit. Allein die schweißtreibende ungelochte Nappa-Polsterung kann man ihm (besser den Marketing-Fritzen) ankreiden.
Als "nur" Lust- und Urlaubsauto mit bester Zuverlässigkeit sind die Mopf 1 wegen ihrer ruhenden Hochspannungsverteilung und ME Gemischaufbereitung im Vorteil. Mit etwas Glück findet sich sogar einer mit ESP. Als dickes Bonbon kommt der M119 in seiner schönsten Form. Mit diesem 4V DOHC V8 kann man sich überall sehen lassen. Die Polsterung hat den Vorteil, deutlich weniger schweißtreibend als das alberne Nappa der Mopf 2 zu sein. In Kennerkreisen gilt diese Variante als die rundum beste. Ab hier gab es 4 Airbags und das ganze Paket ist immer noch "auf der Höhe der Zeit". Nicht so jedoch die Motorkabelbäume, da gilt einfach "throw money at the problem".
Richtig "echt" ist der 500 SL – also Mopf 0. Es fängt schon beim Namen an, er blieb von dem gekünstelten "SL" vor der Typenbezeichnung verschont. Die Türen schließen etwas satter, und es gibt ein paar Gags, die später weggespart wurden, der elektrische Innenspiegel gehörte dazu. Der Innenraum ist der sauberste. Unverfälschter Sacco, ohne jeden Kitsch! Der Preis für die Urwüchsigkeit ist erhöhter Wartungsaufwand (Zündverteiler) und die unbegründete Furcht vor der frühen K-Jetronic. Ja, die alte 4-Gangautomatic ist heute wirklich nicht mehr up to date, aber im Normalbetrieb merken Sie davon nix! Man braucht eigentlich beide, Mopf 0 und 1 ;-)) *die Billigen sind immer zu teuer, Ausnahmen bestätigen die Regel!
… Ein Sechszylinder soll her.
Der reißt zwar keine Pflastersteine aus dem Boden, aber untermotorisiert ist man damit auch nicht. Sinn macht so was genau genommen nur für den Alltag, denn da lässt sich der Kostenvorteil erfahren, für ein Spielmobil ist der Unterschied zum 500 zu gering. Das Werk bot sage und schreibe sechs verschiedene Versionen an:
- 300 SL – auch handgeschaltet
- 300 SL-24 – auch handgeschaltet
- 280 SL (später SL 280) mit R6 Motor – auch handgeschaltet
- 320 SL (später SL 320) mit R6 Motor
- SL 280 mit V6 Motor – auch handgeschaltet
- SL 320 mit V6 Motor
Das macht insgesamt zwölf Varianten! Jeder steht ganz charakteristisch für sich selbst. Das Wichtigste ist, so ein Auto mal ausgiebig zu fahren, nur so erkennt man die Finessen. Weil vorwiegend Kosten die Wahl entscheiden, ist der Status der Modellpflege eher unwichtig. Der Gesamtzustand des Autos ist entscheidend. Da ist man im Prinzip im Vorteil, aber die Sechszylinder werden schon lange auch von weniger Vermögenden gefahren, und was dabei passiert, kann man sich ausmalen.
Es kommt also darauf an, ein unberührtes Exemplar aufzutreiben. Da muss man in D und auch im EU-Ausland suchen, denn in den USA und Japan wussten die Käufer, was ein V8 ist, entsprechend gering ist das Angebot. Hier muss man wissen, dass Sechszylinder (besonders in R6 Bauform) unten rum nix an Umpf haben, die müssen gedreht werden. Das macht beim 24V besonders viel Spass, ist aber vollkommen Daimler untypisch! Drehen kann man auch mit der Automatik, den Schalthebel darf man ruhig von Hand betätigen. Wer das alles nicht will, fährt entweder als ein Bremsmittel umher oder ist auf Dauer unglücklich mit dem Möbel. Es will also heftig nachgedacht werden. Mein Tip für einen handgerissenen 24V ist schwer zu finden, aber im Betrieb sehr angenehm zu fahren, drehen ist das Geheimnis. Dass die Autos von MJ 94 bis 98 faule Motor-Kabelbäume haben, ist nur ein (teurer) Schönheitsfehler, ansonsten gilt das für die V8 schon gesagte.
Ein „richtiger“ Motor muss im Auto sein
Da kommt nur der M120 in Frage. Weil er anfangs Probleme machte und auch später nur selten verstanden wurde, ist das Ding (noch) nicht beliebt, entsprechend günstig sind die Preise. Wenn man sich mit zwei Gemischaufbereitungen und Zündsystemen rumschlagen muss, dann macht das erkennbare Löcher in die Kasse. Für die Autos bis MJ 95 stimmt das uneingeschränkt, aber mit der Motronic verschwanden die Verteiler und der Motor wurde wirklich zuverlässig gemacht. Die MKBs sind ein zeitgenössisches Problem, das von 93 bis 98 (und ggfs. darüber hinaus) Aufmerksamkeit braucht. Im Fahrbetrieb ist das Auto in engen Ecken vorn etwas schwer, aber allein der Lustgewinn beim Anlassen des Maschinebau-Denkmals macht das wieder wett. Und man hat die magischen 12 Zylinder, die auf der Autobahn und der passenden Landstraße wirklich schieben. Auch heutzutage noch. Mit Verstand bewegt, nimmt er gerade mal einen Liter mehr als ein gleich bewegter V8, und? Ohne nimmt er auch viel Liter mehr, tja, so ist datt.
Die nach USA und Japan exportierten Exemplare sind ab MOPF 1 innen vollständig geledert. Das ist schon schön standesgemäß, und beim Hotelportier wird man respektvoll behandelt. Für das Valet Parking ist er ungeeignet, man sollte ihn schon selber abstellen, denn die Versuchung eines 12 Zylinders ist immens. Einen zu beschaffen auch, zweckmässig sucht man auch in Japan und den USA, da tauchen noch immer erstklassige Exemplare für fast Kleingeld auf. Good luck!