Holzausstattung im R129
Holzausstattung im R129
Text und Fotos: Friedhelm Utz (CR21/S122)
Viele von uns haben sich für den R129 entschieden, weil sie ein wertbeständiges luxuriöses Cabrio (Roadster) zum entspannten Reisen gesucht haben. Speziell die hochwertige und hübsche Holzausstattung verleiht dem SL eine besonders edle Note. Für die Modelle SL 280, 320 und 500 wurde die Mittelabdeckung aus Wurzelnuss serienmäßig geliefert.
Der SL 600 konnte die Ausstattungslinie sogar mit einer Mittelbrücke und Jalousie aus Wurzelholz sowie einem Lenkrad in Leder-/Holzausführung toppen. Besitzer des Sondermodells „Final Edition“ dürfen sich sogar an einer umfangreichen und hübschen Interieur-Ausstattung in Curly-Ahorn designo natur erfreuen.
Aber – das war einmal. Ist die Holzausstattung abgenutzt oder möchte man sein Fahrzeug entsprechend aufrüsten, gibt es seitens Mercedes-Benz leider keinen Ersatz mehr. Die Suche im Internet auf einschlägigen Seiten führt manchmal zum Erfolg, aber die Teile werden zu sehr hohen Preisen angeboten, so dass man sich fragen könnte, ob sich die Holzpreise den Edelmetallpreisen angepasst haben. Ganz nebenbei kann sich ein Problem in der Qualität – bei Farbe und Finish – ergeben. Eingebaut ergibt sich dann oft eine „perfekte Patchwork-Optik“. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Teile von mehreren Anbietern geordert werden müssen.
Da ich ein ausgesprochener Fan der Wurzelnuss-Ausführung bin, aber auch seriennah ausstatten wollte, habe ich intensiv recherchiert und tatsächlich einen Anbieter gefunden, der je nach Wunsch in der Gesamtheit liefert. Die kleine Traumfabrik für „Holzfetischisten“ befindet sich in Coburg und heißt:
- holzdesign bätz
- Materweg 3
- 90450 Coburg
- E-Mail: info@holzdesign-baetz.de
- Telefon: 09561-37914

Ab zum Telefon, Nummer gewählt und am anderen Ende eine nette, freundliche Stimme mit sympathischem fränkischen Dialekt: Herr Bätz. Nach dem ersten Telefonat folgten noch einige weitere nette und auch lustige Gespräche, und für mich stand fest: Teile ausbauen und persönlich nach Coburg bringen. Das muss ich mir anschauen.
Helmut Heidrich – auch vom RT Osnabrück – war gleich von meinen Erzählungen begeistert und schon hatte ich einen Beifahrer für die 400 km Tour nach Coburg. Unsere Ausfahrt stellten wir scherzhaft unter das Motto: Helmut und Friedhelm auf dem Holzweg.
Angekommen, wurden wir so herzlich begrüßt, als ob wir uns schon Jahre kennen würden. Ein nettes Grundstück im Grünen und eine „Werkstatt“ mit der am Giebel angebrachten Kennung: Bätz Holzbildhauerei. Holzbildhauerei?? Sind wir richtig? Fragende Blicke der Sternenfahrer – allerdings heute im Golf GTD unterwegs. Nicht schlimm, oder? Herr Bätz wusste unseren etwas verwunderten Gesichtsausdruck sofort zu deuten und öffnete gleich die Tür zu seinem Betrieb. Was wir zu sehen bekamen, war ein toller Handwerksbetrieb mit wohliger Atmosphäre und einen absoluten Profi. Das wurde uns schnell klar. Ein umfangreicher Maschinenpark, Lenkrad-Rohlinge, Lenkräder in Bearbeitung, ein wohl sortiertes Furnierlager und viele, viele spezielle Details.
Herr Bätz – heute schon im Rentenalter und nun auch allein tätig – hatte circa 30 Angestellte und hat als Erstausrüster für Porsche, VW und Audi gearbeitet. Für Audi und VW hat er im Wesentlichen Lenkräder, Schalt- und Wählhebel in der Kombination Holz/Leder oder nur aus Holz gefertigt. Bei Porsche hat er insbesondere der Modellreihe 996 seinen handwerklichen Stempel aufgedrückt und alle individuellen – bei Porsche als Bestellung eingegangenen – Kundenwünsche hinsichtlich Interieurveredelung mit Holz / Leder / Karbon bedient. Auch bei der Ausstattung früherer Porschemodelle hat Herr Bätz mit seiner Firma mitgewirkt.
Nun aber zur Sache. Für meinen R129, Bj. 02/1997 (Japanmodell mit speziellem Radioproblem – aber das ist eine andere Geschichte), hatte ich den Wunsch, folgende Teile mit Holz zu veredeln – und zwar, ihr ahnt es – in Wurzelnuss: Lenkrad, Trägerrahmen Mittelkonsole, Jalousien, Deckel Ablagefach, Einlage Schaltkulisse, Lüfterleiste, Brillenfachabdeckung und die Spiegelecken. Ja, ja, ich weiß – die letzten 3 Positionen sowie der Deckel für das Ablagefach wurden in der Serie nie in Holz angeboten. Ich finde es aber schön und ich könnte, wenn ich wollte, auch zurückrüsten. Aber ich will nicht!
Damit keine „Patchwork-Optik“ entsteht, wurde auch die Mittelkonsole inklusive Ablageschale ausgebaut, damit Herr Bätz ein Farb- und Holzmuster zur Verfügung hat. Anmerkung: Die Mittelkonsole hat er wunderbar aufpoliert! Um die Teile entsprechend mit Holz belegen zu können, mussten sie als Trägermaterial natürlich zunächst aus dem Fahrzeug ausgebaut werden. Das ist grundsätzlich nicht schwer, wenn man weiß, wie die Demontage zu erfolgen hat. Hier leistet die entsprechende Werkstattliteratur hervorragende Dienste, zum Beispiel die R129-DVD.
Mit ein wenig Ruhe und Gelassenheit gelingt der Ausbau der Innenraumkonsole (Radio, Klima, Mittelkonsole, Mittelablage inklusive Deckel und Gehäuse / Jalousie, Lüftungsdüsen, Brillenfach) in circa vier Stunden. Soll auch das Lenkrad veredelt werden, muss natürlich vorher der Airbag seinen angestammten Platz verlassen. Hier sind die Sicherheitshinweise zum Airbag-Ausbau zu beachten! Wer sich das nicht zutraut, sollte eine Fachwerkstatt beauftragen. Tipp: Wer in die Werkstatt fährt, sollte sich natürlich vorher ein Ersatzlenkrad besorgen.

Nach dem Ausbau alle Teile transportsicher verpacken – und ab die Post. In der Zwischenzeit ein wenig träumen und nach vier bis sechs Wochen verschickt Herr Bätz ein hübsches Weihnachtspaket – eventuell auch im Mai oder Juli oder … Nach den ersten Freudentränen über die tollen und schicken Holzteile erfolgt der Einbau in umgekehrter Reihenfolge. Aber das ist ja logisch. Eingebaut sieht die Sache so aus:

Ja, was kostet das alles?! Eine berechtigte Frage. Ich sage euch, Holzdesign Bätz ruft einen – im Vergleich zu den sonst üblichen Preisen – absolut fairen Preis auf. Herr Bätz freut sich auf eure Anfragen und kalkuliert jeden Auftrag individuell. Viele Furnierarten sind lieferbar. Und sollte jemand Spaß an einer Karbonausstattung haben. Nichts ist unmöglich!
Ach ja – bevor ich es vergesse: Von den bildhauerischen Qualitäten konnten wir uns – Helmut Heidrich und ich – auch überzeugen. Ob es sich um einen Auftrag des internationalen Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods, zuvor Suchard, handelt, in dem es darum geht, eine Milka-Kuh maßstabsgerecht zu verkleinern, oder ob es sich um ein internationales, bäriges Unterfangen handelt, bei dem Herr Bätz für einen Schweizer Kunden lebensgroße Holzbären erschaffen durfte. Einen verkleinerten Prototypen könnt ihr auf dem Bild „Helmut und der Bär“ bewundern.
Wenn ihr euch auch auf den Holzweg begeben wollt – wer hindert euch? Viel Spaß!









