Hohlraumkonservierung und Beseitigung einiger Korrosionsschäden am R129

Aus Technikwiki R129
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Text: Martin Cüppers (CR21/S23)

Nach dem Erwerb meines R129 von einem regionalen Mercedes-Händler und der dortigen Beseitigung einiger kleinerer Restmängel im Rahmen der Gewährleistung war ich mit dem generellen technischen und optischen Zustand sehr zufrieden, zumal gemessen am Kaufpreis und der belegbaren Historie. Gerade die spärliche, aber doch markentypisch sinnvolle Ausstattung und puristische Anmutung des Vor-MOPF Modells hatte es mir angetan, auch wenn Motorisierung (unverständlich unbeliebter, aber historisch interessanter Vierventiler), Laufleistung und fehlende Klimaanlage (ich bin Cabriogeöffnetfahrer!) einer zukünftigen signifikanten Wertsteigerung abträglich sein werden.

Dennoch sollte es nie bei einem Saisonflirt bleiben. Im Gegenteil, schon sehr bald erkundigte ich mich nach dem preislichen Rahmen für eine Hohlraumkonservierung, für mich die zentrale Werterhaltungsmassnahme schlechthin. Auch wenn der R129 vor allem während der ersten Produktionsjahre bereits ab Werk Bremen in den Genuss umfangreicher Korrosionsschutzmassnahmen kam, so schien es mir dennoch sinnvoll, der Karosserie nach 25 Jahren eine weitere Auffrischung zukommen zu lassen.

Saccobretter demontiert
Radhaus demontiert
Radhaus demontiert
Rostschaden
Rostschaden

Zunächst wurde in einem Vorbesichtigungstermin das Fahrzeug in einer mir empfohlenen Werkstatt eingehend begutachtet, einige weitere kleinere bekannte Mängel definiert und deren Beseitigung in einem Kostenvoranschlag fixiert. Als Durchführungstermin wurden zwei Wochen der Sommerferien vereinbart, da ich in diesem Zeitraum am ehesten auf das Fahrzeug verzichten konnte.

Danach machte ich mich im heimischen Carport an die Demontage der seitlichen Türbeplankungen („Sacco-Bretter“), um die Blechtafel mitsamt der kritischen Befestigungslöcher dahinter auf mögliche lackmordende Kratzspuren zu untersuchen. Demontageanleitungen dazu gibt es in der R129-DVD, beziehbar beim 129-Club. Gott sei Dank zeigte sich dieser unsichtbare Bereich als absolut unkritisch und erforderte daher auch keine weitere Beachtung. Die braunen Streifen zeigen das werksseitige Schutzwachs.

Nach der Übergabe des Fahrzeugs wurden zunächst die vorderen Radhausverkleidungen entfernt, was bereits die ersten, allerdings auch zu erwartenden Zusatzarbeiten zum Vorschein brachte: nahezu alle Befestigungsbolzen hielten der mechanischen Belastung der Demontage nicht stand und brachen alters-, aber auch korrosionsbedingt ab und mussten dementsprechend ersetzt werden.

Dieser Makel stellte sich aber leider als das kleinste aller Probleme heraus. Beide Radhäuser zeigten nach erfolgter Hochdruckreinigung etliche Korrosionsspuren bis zu massiven Durchostungen. Das mag wenig repräsentativ für diese Baureihe sein, und mein Exemplar wurde wohl doch überdurchschnittlich oft über gesalzte Schwarzwaldstrassen bewegt. Doch mit der Analyse kam die Erkenntnis, dass dieser Bestandsaufnahme nun die entsprechenden Taten folgen mussten, denn dieser Zustand war so nicht mehr hinnehmbar. Er wäre übrigens niemals bei einer Hauptuntersuchung oder Inspektion aufgefallen, weil alle Korrosionsherde im Verborgenen blühten.

Durchrostung Radhaus
Durchrostung Radhaus
Durchrostung Radhaus
Durchrostung Radhaus
Durchrostung Radhaus herausgetrennt
Durchrostung Radhaus herausgetrennt
Reparatur mit Einschweissblech vom Motorraum
Reparatur mit Einschweissblech vom Motorraum
Reparatur mit Einschweissblech vom Radhaus
Reparatur mit Einschweissblech vom Radhaus


Doch der Reihe nach: Es ging den korrodierten Bolzenflächen an den Leib. Ferner wurde die Durchrostung oben neben der Kotflügelkante grossflächig herausgeschnitten, fachmännisch ersetzt und nach dem Verschweissen korrosionsgeschützt.

Rostschaden Federdom
Rostschaden Federdom
Rostschaden Federdom
Rostschaden Federdom
Rostschaden Federdom
Rostschaden Federdom
Rostschaden Federdom behoben
Rostschaden Federdom behoben
Radlauf hinten ohne Schäden
Radlauf hinten ohne Schäden
Radlauf hinten ohne Schäden
Radlauf hinten ohne Schäden


Als schwerwiegenster Fall entpuppte sich allerdings der notwendige Austausch beider Federdome. Diese sind nicht zu verwechseln mit den beiden vom Motorraum aus sichtbaren Dome, die lediglich die Stossdämpfer beherbergen. Die Federn werden durch eine separate Aufnahme am Längsträger geführt, die beidseitig gegen ein Neuteil ersetzt wurden. Hier war natürlich ein heimliches Aufatmen angebracht, denn beide Teile waren nach kurzer Lieferzeit als Neuteile direkt vom Hersteller für akzeptables Geld erhältlich.

Aber es gab auch gute Nachrichten. So waren die hinteren Radkästen makellos.

Nach dem Austausch und dem grossflächigen Auftragen von Korrosionsschutzfarbe konnte nun die eigentliche Arbeit beginnen: Vorbereitung und Durchführung einer Hohlraumkonservierung, kurz HRK. Dabei wird i.d.R. erwärmtes Wachs per Sonde in die Hohlräume der Längs- und Querträger sowie der Falze eingespritzt. Auf Grund der hohen Wachstemperatur und des unvermittelten Austritts von überschüssigem Material ist diese Arbeit nicht ganz ungefährlich und erfordert neben intimer Kenntnis des Fahrzeugs einige Erfahrung und auch passende Örtlichkeiten. Der grösste Kostenanteil dabei ist die Vor- und Nachbereitung des Fahrzeugs, die persönliche Schutzausrüstung des Mitarbeiters und der Werkstatt. Das Fett fliesst auf Grund seiner erhöhten Auftragstemperatur und damit verbundenen Fliessfähigkeit selbständig in alle Ritzen und Winkel, erkaltet und erstarrt dort schließlich dauerhaft, bleibt dabei aber zäh, sprich reißfest. Die Karosserie ist in diesem Bereich für mindestens die nächsten 30 Jahre permanent und ergiebig geschützt. Insgesamt werden pro Fahrzeug je nach Aufwand ca. 10kg Wachs verarbeitet. Dabei wurde in meinem Falle auch der Unterboden leicht eingenebelt.

Durchführung der Konservierung
Durchführung der Konservierung
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
Wagenheberaufnahme im Schweller
Wagenheberaufnahme im Schweller
vorderes Radhaus
vorderes Radhaus
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs


Nach der Abholung glänzte mein Roadster mit der Sonne um die Wette. Die ersten Kilometer werden zwar begleitet von einigen verdampfenden Fettgerüchen, aber danach überwiegt natürlich das gute Gefühl.

abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
abgeklebte Bereiche des Fahrzeugs
das fertig konservierte Fahrzeug
das fertig konservierte Fahrzeug

Fazit: Eine HRK stellt eine beträchtliche Werterhaltungs-, ja sogar Wertsteigerungsmassnahme dar, die jedem Fahrzeug fast unabhängig von Baujahr und Hersteller gut zu Gesichte steht. Dafür muss man Kosten von mindestens 1000 € einkalkulieren. Die in meinem Fall erfolgten eingehenden Untersuchungsergebnisse bei Substanz und Schwachstellen war auf den ersten Moment sicherlich schmerzhaft, aber nun weiss ich mit absoluter Sicherheit, in welchem karosserieseitigen Zustand sich der Wagen befindet und brauche mir in Zukunft keine Sorgen mehr darum zu machen. Alle Arbeiten wurden fotodukumentiert und professionell umgesetzt.

Daher habe ich auch an meinem Smart Roadster, unter dessen Kunstoffanbauteilen sich ja ebenfalls eine Stahlkarosse verbirgt, eine HRK vornehmen lassen. Übrigens ohne erforderliche Zusatzarbeiten.


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