Halter für Stoßfänger ab Mopf 1
Text: Frank Risse (Teil 1) & Karl-Heinz Hollas † (Teil 2) Fotos: Karl-Heinz Hollas (CR25/S82)
Eine Anleitung zur technischen Stabilisierung des hinteren Stoßfängers
Teil 1 – Grundlagen
Seit der Einführung der Baureihe 129 im Jahr 1989 wurde der hintere Stoßfänger rechts und links mit einer seitlichen Führung und hinten mit vier Haltern gehalten. Dies wird auch im Mercedes-Benz Electronic Parts Catalogue (EPC) und dem daran angeschlossenen Werkstatt-Informations-System (WIS, vgl. Bild 1) so beschrieben.
Zur Erläuterung sei gesagt, dass der Halter vereinfacht aus einem Stückchen Blech mit senkrecht aufgeschweißtem Gewindebolzen besteht. Diese Konstruktion wird in entsprechende Halteöffnungen auf der Stoßfänger-Innenseite eingeschoben (vgl. Bild 4), so dass der Gewindebolzen heraussteht.
Nebenbei kann man in Bild 4 sehr schön sehen, dass der R129 auf besonderen Wunsch ab Werk mit Parkpiepsern (Park Distance Control, PDC) ausgestattet werden konnte. Die Öffnungen im Pralldämpfer und der Halteplatte sind bereits vorgesehen. Tatsächlich wurde dieser Sonderwunsch jedoch nur sehr selten realisiert.
Änderung ab MOPF 1
Mit der ersten Modellpflege 1995 entfielen unter anderem die mittleren zwei Halter. Seitdem wurde bei allen R129 der hintere Stoßfänger mit der bisherigen seitlichen Führung links und rechts, aber hinten nur noch mit zwei Haltern montiert.
Da die Produktionsstraße für den Rohkarosseriebau nicht geändert wurde, konnte durch die unverändert vorhandenen Haltelöcher im Heckblech theoretisch Wasser oder Staub o.ä. eindringen, was durch den Einsatz zweier Gummischeiben behoben wurde. Die Halterungen für die Stoßfänger selbst blieben ebenfalls unverändert, aber man bestückte ab Mopf 1 halt nur noch zwei der vier vorhandenen Halteöffnungen mit Haltern.
Schönheitsfehler
Mit der Zeit kann es nun vorkommen, dass – gerade bei etwas stärkerer Sonneneinstrahlung – der hintere Stoßfänger etwas weich wird und sich dann mittig um ein paar Millimeter „entspannt“. Dadurch wird zum einen der Spalt zwischen Stoßfänger und Heckblech etwas größer, zum anderen kann der normalerweise im Stoßfänger verborgene Pralldämpfer sichtbar werden. Während ersteres kaum jemandem auffallen wird, sieht man den farblich oft anders gestalteten bzw. ausgeblichenen Pralldämpfer nun als schmale dünne Linie hervorlugen – und das sieht jeder!
Zur Abstellung dieses Missstandes bieten sich mehrere Möglichkeiten an:
1. Alten Stoßfänger erwärmen und „zurückbiegen“.
2. Neuen Stoßfänger kaufen und lackieren und an Stelle des alten montieren lassen.
3. Die bis Mopf 1 vorgesehenen originalen Halter an den zwei verwaisten Halteöffnungen im Stoßfänger einsetzen und den Stoßfänger damit wieder stabil befestigen.
Während 1. und 2. nur der Vollständigkeit halber erwähnt wurden, aber selbstverständlich keine tatsächliche Empfehlung darstellen (es sollte wirklich nur ein Witz sein!), stellt Lösung 3. eine wirklich brauchbare Alternative dar – mit einem Schönheitsfehler: Die originalen Halter sind nicht einzeln zu bekommen, weder für Geld noch für gute Worte.
Lösung
Unser Technik-Vorstand Karl-Heinz Hollas hat sich einige Gedanken gemacht, um diesen Missstand zu beseitigen. Herausgekommen ist die auf den folgenden Seiten beschriebene Umbauanleitung.
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Teil 2 – Umbauanleitung
Mit der Einführung der ersten Modellpflege (Mopf1) im R129 sind die inneren Befestigungshalter des hinteren Stoßfängers ersatzlos entfallen. Die Auswirkung dieser Sparmaßnahme ist besonders an dunklen Fahrzeugen an warmen Sommertagen zu sehen: Der Stoßfänger steht im Bereich des Kennzeichens rund 10mm nach hinten von der Karosserie ab. Sichtbar wird dann das über die Jahre ausgeblichene Trägerteil des Stoßfängers. Glücklicherweise wurde nur auf den Halter verzichtet, Stoßfängerinnenteil und die karosserieseitigen Befestigungslöcher blieben erhalten. Durch diesen Umstand ist es möglich, die Optik in diesem Bereich zu verbessern.
Stückliste der benötigten Teile:
- 2x Halter
- 2x Bundmutter
- 2x U-Scheibe 6,4 mm
- 2x Dichtbeilage
Arbeitsfolge:
- 1, Stoßfänger hinten abbauen; Verkleidung über der Batterie im Kofferraum herausnehmen. Verschraubungen (SW 13, hinter der Batterie rechts und in der Kofferraummulde links) lösen.
- 2. Stoßfänger nach hinten abziehen (2 Personen!), dabei die seitlichen Rastnasen aus dem Radlauf ziehen (siehe Bild 2). Stoßfänger auf weicher Unterlage mit der Innenseite nach oben ablegen (siehe Bild 3).
- 3. In die Aufnahmen rechts und links die Halter leicht diagonal einfädeln, so dass der Bolzen zentrisch im Lochabschnitt sitzt (siehe Bild 4).
- 4. Die beiden Verschlussstopfen rechts und links oben herausnehmen (siehe Bild 5).
- 5. Sollte das Trägerteil stark ausgeblichen sein (siehe Bild 6), die Sichtkante mit schwarzer Farbe oder mit einem Faserstift (z. B. Edding) schwärzen.
- 6. Stoßfänger wieder ansetzen, dabei die seitlichen Rastnasen von der Karosserie wegziehen. Stoßfänger rechts und links in die Führungen einsetzen und nach vorne schieben.
- 7. Rastnasen wieder hinter den Kotflügel drücken und dann die Gummilippe der Radhausverkleidung wieder in den Stoßfänger einfädeln.
- 8. Die beiden äußeren Befestigungsschrauben ansetzen, den Stoßfänger ausrichten (Spaltverlauf seitlich und hinten) Befestigungsschrauben festziehen.
- 9. Jetzt auf die inneren, neuen Befestigungspunkte die U-Scheiben und die Muttern setzen und nur handfest (!!!) anziehen. Auf die in diesem Bereich liegenden Kabel und U-Leitungen achten und diese nicht einklemmen.
Das Ergebnis sollte dann wie in Bild 7 aussehen.







