Gut durch den Winter

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Text: ADAC e.V. | Cartoon: toonpool.com (CR29/S44)

Wer seinen SL im Winter nicht bewegen, sondern lieber für den Winterschlaf abstellen möchte, der sollte einiges beachten.

Winterschlaf
Winterschlaf




Sind die letzten Spätsommertage vorbei, sollten Oldtimer-Besitzer ihre Klassiker nun für die Winterpause vorbereiten. Der ADAC hat die wichtigsten Pflegetipps zusammengestellt, damit der Oldtimer den Winter schadlos überstehen.

Ist in Kürze ohnehin eine Inspektion fällig? Dann lieber vorziehen: Der Arbeitsumfang enthält zum einen sinnvolle Stilllegungs-“Elemente“, zum anderen erkennt der Fachmann natürlich besser, was aktuell oder in Kürze reparaturbedürftig ist. Auch die ADAC-Prüfzentren sind hierfür eine gute Adresse („Gebrauchtwagenuntersuchung“, „Winter-Check“). Schließlich wollen Sie den Frühjahrs-Start nicht unbedingt mit Werkstatt-Terminen wegen tropfender Wasserpumpe oder mürbem Auspufftopf beginnen.

Saisonkennzeichen

Wer alljährlich den gleichen Stilllegungszeitraum nutzen will, z. B. 1.10. bis 30.4., der sollte bei Straßenverkehrsamt/Zulassungsstelle dieses spezielle Kennzeichen erwerben. Man erspart sich die jeweiligen Gebühren für An- und Abmeldung und den Gang zur Behörde. Mit Ablauf des letzten Tages des einmal gewählten und auf dem Kennzeichen aufgedruckten Monats (bei „3/10“ also der 31.10.) darf das Fahrzeug keinesfalls mehr auf öffentlichem Grund genutzt werden.

Reguläres Kennzeichen

Der Zeitraum der „vorübergehenden Stilllegung“ lässt sich jedes Jahr anders gestalten, in der Winterpause unverhoffte Schönwetterperioden kann man noch nutzen. Die anteilige Kraftfahrzeugsteuer wird, tageweise umgerechnet, zurückerstattet. Wer eine deutlich längere Ruhephase plant, sollte berücksichtigen, dass nach sieben Jahren die „Betriebserlaubnis“ und damit die Fahrzeugpapiere ungültig werden. Die Wiederzulassung erfordert dann „Vollgutachen“ (§21 StVZO).

Versicherung

Eine Unterbrechung bis zu sechs Monaten zählt (positiv) auf dem Weg in eine günstigere Schadensfreiheitsklasse, ab sieben Monaten bleibt die bei Stilllegungsbeginn bestehende SF-Klasse erhalten - so jedenfalls bei einer Vielzahl von Gesellschaften. Der Teilkasko-Vertrag läuft in der Ruhezeit normalerweise beitragsfrei weiter. Konkret sollte man das, wie auch die anteilige Rückerstattung bereits gezahlter Prämien, direkt mit seinem Versicherer abklären.

Hauptuntersuchung

Fällt in die Ruhezeit die Hauptuntersuchung, dann ist dies nach Wiederinbetriebnahme umgehend nachzuholen. Insbesondere bei Fahrzeugen mit „Vorübergehender Stilllegung“ ist anzuraten, diese Prüfungen noch vor dem Einmotten zu erledigen. Bei der Wiederzulassung werden die Fahrzeugpapiere von der Behörde ja erst dann ausgehändigt, wenn die noch zu erbringenden Prüfnachweise vorliegen.

Der richtige Lagerort

Optimal ist ein klimatisierter Raum, in dem Temperatur (ca. 15 Grad) und Luftfeuchte (relative Luftfeuchte von ca. 40 %, messbar mit dem Hygrometer) konstant eingehalten werden - so wird eine Kondenswasserbildung (Hohlräume!) weitgehend vermieden. Textilien, Gummi, Leder fühlen sich in dem Umfeld ebenfalls recht wohl.

Zu meiden wäre auf jeden Fall ein schlecht durchlüfteter Lagerort, der als Folge, zumindest bei unseren Witterungsverhältnissen, dann auch immer zu feucht ist. Es gibt hier elektrische Luftentfeuchter (230 V) sowie aufblasbare Kunststoffhüllen, die entweder von Ventilatoren (12 V) durchblasen werden oder in die Behälter mit einem speziellen Trocken-Granulat, dem die aufgenommene Feuchtigkeit im Haushalts-Backofen wieder entzogen werden kann, gestellt werden. Gegen das Einstauben hilft im Übrigen einatmungsaktives Baumwolltuch („Bettlaken“ oder Paletots aus dem Oldtimer Fachhandel). Kunstfaserstoffe oder gar Plastikfolien sollte man wegen der mangelhaften Feuchtigkeits-Durchlässigkeit nicht verwenden.

Am besten Auto aufbocken, das entlastet Reifen und Radaufhängung. Zumindest aber den Reifendruck auf maximal drei Bar erhöhen. Feststellbremse nicht anziehen, die Beläge könnten festkleben bzw. festrosten. Fenster zur Durchlüftung etwas öffnen.

Motor

Genutztes Öl enthält korrosionsfördernde Bestandteile, also wechseln. Die Zugabe eines Öl-Additivs wird vom ADAC nicht empfohlen. Besser ist es, ein hochqualitatives Motorenöl zu verwenden. Nicht gut ist es (für die Schmierung zwischen Kolben und Zylinderwand), den Motor ab und zu kurz laufen zu lassen. Das Einfüllen eines speziellen Korrosionsschutzöls ist nur bei mehrjähriger Ruhepause notwendig. Kühlsystem: Frostschutz prüfen, wenn nötig mit geeignetem Kühlmittel ergänzen.

Kraftstoffsystem

Tank auffüllen, um Rostbildung im Inneren zu verhindern (entfällt bei Kunststofftanks). Bei längeren Standzeiten (über ein Jahr) kann das Trockenlegen des gesamten Kraftstoffsystems ratsam sein.

Batterie

Sie nimmt Schaden, wenn sie nicht nachgeladen wird. Abhilfe schafft ein spezielles Erhaltungs-Ladegerät oder regelmäßig – etwa alle zwei Monate – einige Stunden ans Standard-Ladegerät hängen.

Innenraum

Neben der Reinigung mit Schwamm und Staubsauger sollten alle losen Bodenbeläge, auch aus dem Kofferraum, herausgenommen werden. Sind feuchte oder modrige Stellen vorhanden, Ursache finden und beheben (Gummiprofile des Verdecks, Scheibenrahmen, Schiebedach-Entwässerung etc.), sonst könnte Schimmel entstehen.

Lack

Nach gründlicher Wäsche (ältere Cabrio-Modelle dürfen häufig nicht in die Waschanlage) die Lackoberfläche gründlich kontrollieren: Reste von Vogelkot, Insekten und Absonderungen von Baumharzen sind teilweise schwer erkennbar, sie können sich aber bei längerer Einwirkzeit bis auf das Blech durchfressen. Bei dieser Gelegenheit auch eventuelle Steinschlagschäden ausbessern.

Unterboden

Besonders bei älteren Baujahren lohnt sich ein Check von Unterboden und Radhäusern. Schutzschicht auf Verletzungen oder Ablösungen bzw. Unterrostungen kontrollieren. Gegebenenfalls schadhafte Stellen entrosten, grundieren und Unterbodenschutz ausbessern.

Cabrioverdeck

Rissbildung, aufgeplatzte Nähte? Einmal pro Jahr sollte man das schon genauer in Augenschein nehmen. Ob Wasser (Dichtgummis) eindringt, weiß man ohnehin aus dem Fahrbetrieb. Den Gummiprofilen tut auf jeden Fall eine Behandlung mit speziellen Produkten (z. B. Silikon) gut. Mit Shampoo ans Verdeck? Im Regelfall wird es nur trocken oder feucht abgebürstet (in Fahrzeug-Längsrichtung, von vorne nach hinten), allenfalls mit klarem Wasser abgespritzt. Zur Fleckenentfernung sollte man nur das verwenden, was der Fahrzeughersteller empfiehlt. Die Ruhezeit im Winterquartier verbringt das Auto dann mit geschlossener Kapuze.

Sonstiges

Handbremse nicht anziehen - die Beläge könnten „festkleben“. Autofenster zur Durchlüftung einen Spaltbreit öffnen.

Mit diesen Maßnahmen dürfte sichergestellt sein, dass der Start problemlos vonstatten geht.
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