Getriebeölverlust nach längerer Standzeit

Aus Technikwiki R129
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Text und Fotos: Ralf Cyriax & Gerhard Schulz (CR33/S56)

Kleine Ursache - große Wirkung: Öl aus dem Drehmomentwandler diffundiert bei stehendem Motor mit der Zeit in das Getriebe selbst. Dadurch steigt dort das Niveau an. Undichtigkeit entsteht an dem O-Ring (Linke Fahrzeugseite, Bilder 1 und 2) der Modulierdruckdose.

Bild 1
Bild 2


Das Phänomen führt dazu, dass zum Beispiel nach der Winterpause eine nennenswerte Menge Automatik-Getriebeöl auf dem Boden der Garage zu finden ist. Bei regelmäßigem Gebrauch des Wagens verbleibt das Öl im Wandler, da die Zeit nicht ausreicht, in das Getriebegehäuse zu sickern. Bei Motorlauf wird das Öl kontinuierlich in den Wandler zurückgepumpt. Man sollte sich also fragen: Was ist zu tun?

Diese Frage ist - mit dem nötigen Wissen - recht einfach zu beantworten: Im Fahrbetrieb, wenn der Wagen regelmäßig bewegt wird, also der Motor läuft, liegt der Ölstand unterhalb der Position der Modulierdruckdose. Man kann die Modulierdruckdose aus dem Gehäuse des Getriebes entfernen. Auf den beigefügten Bildern erkennt man, dass die Dose über einen eingelegten O-Ring zum Gehäuse abgedichtet wird. Dieser O-Ring (A014 997 11 48, Bild 3) versprödet mit der Zeit und verliert so seine Dichtfähigkeit. Er ist für kleines Geld verfügbar.

Bild 3


Auf Bild 4 sieht man die Befestigung über ein Befestigungsblech mit zwei Innensechskant-Schrauben. Wenn man die Modulierdruckdose entfernt und vor sich hat, ist ein günstiger Zeitpunkt, die schwarze Gummikappe (siehe Position 609 im inzwischen nicht mehr verfügbaren EPC, frühe Ausführung A126 277 00 81 - Bild 5 und 6) genau unter die Lupe zu nehmen. Auch dieses Bauteil neigt mit den Jahren zur Undichtigkeit. Eine verminderte Schaltqualität der Automatik kann die Folge sein, also erneuern. Beim Wiedereinsetzen der Modulierdose ist darauf zu achten, dass nicht verkantet wird. Im Anschluss muss der Ölstand bei laufendem Motor nach Prüfvorschrift (80 Grad Öltemperatur, auf obere Markierung) richtiggestellt werden.

Bild 4
Bild 5
Bild 6


Einer trockenen Garage steht dann auch nichts mehr im Wege. Und wie immer gilt: Wer hier nicht selber Hand anlegen möchte, sollte bei Bedarf oder der nächsten Inspektion seinen Meister des Vertrauens auf diese Position aufmerksam machen. Sinn macht es auch, die Unterdruckschläuche bis zur Modulierdruckdose zu prüfen. Auch diese können durch Versprödung undicht werden.

Weiterer Hinweis: Die Modulierdruckdosen unserer Fahrzeuge gab es in zwei Ausführungen. Die frühe Ausführung verfügte über besagte schwarze Gummikappe. Um unerwünschte Manipulation hier auszuschließen, bekam die spätere Ausführung dann eine Kunststoffkappe, die nur noch eine begrenzte Verstellung ermöglicht hat (Bild 7). Generell haben die Dosen selber unterschiedliche Farben, welche in Abhängigkeit von der Motorvariante gegeben sind (Bild 8 und Bild 9).

Bild 7
Bild 8
Bild 9


Im R129 wurden auch diese Automatikgetriebe mit Baumuster 722.3XX, 722.4XX und 722.5XX, ab Serienbeginn 07/1989 bis 1996 eingebaut. Gleiche Getriebe, gleiche Problematik!

Mit Einsatz des Automatikgetriebes, Baumuster 722.6, ab 09/1995, entfällt diese Problematik.

MB-Automatikgetriebe im R129
Pos. Getriebe-Generation Baumuster Typ Anzahl Ölwannenschrauben Produktionszeitraum Motoren
1 3 722.3 W4A 040 6 07/89 - 08/95 6 + 8 Zylinder
2 3 722.5 W5A 030 6 09/89 - 05/96 6 Zylinder M104
3 3 722.3 W4A 055 6 07/92 - 08/95 12 Zylinder M120
4 3 722.4 W4A 020 6 06/93 - 05/96 6 Zylinder M104-E28
5 4 722.6 W5A 330 6 06/96 - Serienende 6 Zylinder
6 4 722.6 W5A 580 6 09/95 - Serienende 8 + 12 Zylinder


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