Einspritzdüsen - zu Unrecht vergessen
Text und Fotos: Kai Bürger, Technikreferent RT-Essen
Zu Unrecht vergessen – Einspritzdüsen
Bei der Fehlersuche von unrund laufenden Motoren wird oft alles in Betracht gezogen. Wirklich „alles“?
Es wird im Bereich Zündung gesucht, Steuerung, Benzinpumpe, Benzinfilter und sogar Benzindruckregler und (bei den Motoren mit KE-Steuerung) Mengenteiler.
Aber vollkommen unterschätzt ist die Einspritzdüse.
Die Auswirkungen von verschmutzten oder defekten Einspritzdüsen sind zum Teil weitreichend und führen sogar dazu, dass ein oder mehrere Zylinder nicht mehr aktiv sind und dort keine Verbrennung mehr stattfindet. Aufgrund von zu viel, zu wenig oder sogar gar keiner Einspritzung.
Bei unseren Fahrzeugen gibt es, je nach Motor und Baujahr, passive Einspritzdüsen (KE-Steuerung) und elektromagnetische (LH- und ME-Steuerungen). In diesen Düsen gibt es, unter anderem, einen Feinfilter, der natürlich auch altert und sich zusetzt. Ich möchte hier ein kurzes Beispiel geben, was passieren kann, wenn die Filter zu alt sind. In diesem Beispiel betraf es einen V8 M119 mit LH-Steuerung und elektromagnetischen Einspritzventilen von Bosch.
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Bosch Einspritzdüse elektromagnetisch
Diese Düsen sind in den 6-, 8- und 12-Zylindern installiert worden.
In diesem Fall lief der Motor auf 7 Zylindern und auf einem fand keine Verbrennung statt. Die Abgase und auch das Motoröl rochen stark nach Benzin. Mit Hilfe eines Endoskops wurde weiter bestätigt, dass auf diesem Zylinder permanent eingespritzt wird, aber nicht verbrannt.
Der Motorkabelbaum und auch das Motorsteuergerät wurden zuerst geprüft und erwiesen sich als fehlerfrei. Da die anderen 7 Zylinder verbrannten, konnte es am Benzinpumpenpaket und dem Benzindruckregler nicht liegen. Letzterer wurde auch geprüft.
Aufgrund der Laufleistung (über 250.000 km) und des eher schlechten Pflegezustands des Fahrzeugs wurden die 8 Einspritzdüsen ausgebaut und zu einer Fachfirma gegeben, die diese Düsen prüft, reinigt, aufarbeitet und erneut prüft.
Auf dem Bild sind die Filterelemente zu sehen, oder das, was davon übrig ist. Normalerweise sollten in diesen Metallfassungen auch Filter vorhanden sein (so wie bei dem rechten) und nicht nur Gekrümmel. Diese Krümmel haben dazu geführt, dass das Ventil sich nicht mehr richtig schließen konnte, weil diese in den Ventilsitz geraten sind. Nach dem Einbau der überholten Ventile lief der Motor seidenweich und rund.
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Filterelemente Einspritzdüse
Natürlich hätte man auch neue Ventile kaufen und einbauen können. Aber warum etwas erneuern, was sich weitaus günstiger wieder instandsetzen lässt?
In diesem Beispiel hat die Instandsetzung 200 € für alle 8 Ventile gekostet. Ein neues Ventil kostet bei Mercedes aktuell 240 € (8 x 240 € = 1920 €). Hier ist also eine Menge Geld zu sparen. Ich möchte noch erwähnen, dass der Ausbau oftmals schwierig ist, da alle Düsen unter einem sogenannten Railrohr (Edelstahlrohr in U-Form zur Kraftstoffversorgung) hängen und in der Ansaugbrücke auf der anderen Seite sitzen. Gerade hier haben sich der Sitz mit dem O-Ring am Ventil zu einer Einheit verbunden, was den Ausbau erschwert. Also Geduld und Feingefühl ist hier von Vorteil. Wenn zuerst eine Prüfung des sogenannten „Spritzbilds“ der Düsen gemacht werden soll, ist das mit dem Ausbau des Rohrs und der Düsen auch möglich. Die Beschreibung der Vorgehensweise würde hier aber zu weit führen.
Fazit: Auch so kleine Bauteile können den Motor ordentlich aus dem Takt bringen.