Der Akku und sein Verließ
Text und Fotos: Peter Kirschenmann (CR12/S107)
Mal ehrlich, wissen Sie, wo der Akku in unseren R129 versteckt ist? Er ist jedenfalls nicht auf den ersten Blick zu entdecken. Deshalb fristet er auch meistens ein unbeachtetes Leben samt seinem nicht einsehbaren Umfeld, wenn nichts außergewöhnliches passiert.
Es war nach der Winterpause, als ich vor dem Start in die Saison den Akku nochmals auflud. Der Anlasser startete wohl den Motor, aber er drehte nur sehr schwerfällig. Nach dem ersten Halt ein erneuter Startversuch – es regte sich nichts. Mit fremder Starthilfe wieder Zuhause angekommen, bestätigte sich mein Verdacht. Der Akku war nach neun Jahren Dienst am Ende. Die Spannung betrug lastfrei 7,2 Volt. Also wurde der Akku ausgetauscht, aber siehe da, als der Alte ausgebaut war und sein Verlies hell ausgeleuchtet wurde, zeigte sich Korrosion am Akku-Halterahmen, noch schlimmer, nach dessen Ausbau auch am Boden der Blechmulde.
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Die Korrosion wurde durch auslaufende Akkusäure hervorgerufen und hatte leichtes Spiel mit den Blechteilen. Die Lackierung des Halterahmens war nicht nach technischen Grundsätzen aufgebaut. Der schwarze Decklack war ohne Grundbeschichtung auf das Blech aufgetragen und konnte nicht haften. In der Blechmulde war wohl die Grund- und Deckbeschichtung extra dünn ausgefallen, so dass im Umfeld des Ablaufes die Korrosion vorangeschritten war. Was macht der Hobby-Autoschrauber jetzt – er entfernt den Rost und baut den Lack neu auf.
Falls Sie es wagen auch nachzuschauen und ähnliches passiert ist, so bin ich vorgegangen:
- Den Halterahmen und die Mulde mit Bürste und Wasser von angetrockneten Säurekristallen befreien und trocknen lassen.
- Den Rost bis auf das blanke Blech entfernt, hierzu die Wasser-Ablauftülle in der Mulde entfernen:
- Reinigen und Entfetten des Halterahmens und der Blechmulde.
- Alle blanken Stellen mit Fertan nach Vorschrift behandeln.
- Zweimal Haftgrund auftragen.
- Ein- bis zweimal Decklack auftragen – trocknen lassen.
- In der Blechmulde alle Ecken, Schweißnähte, Blechansätze und –übergänge mit Hohlraumversiegelung einsprühen.
- Die Wasser-Ablauftülle auch in die flüssige Hohlraumversiegelung einsetzen und von außen (unten) mit dauerelastischem Unterbodenschutz mehrmals einsprühen.
- Den Akku-Halterahmen einbauen, dazu die Gewindebolzen mit Polfett einschmieren und mit A2–Muttern und Scheiben befestigen.
- Akku einbauen, Pole und Polklemmen zuvor mit Polfett fetten.
Danach das Radio mit Code wieder aktivieren. Es kann auch sein, dass die Verdecksteuerung durch das Abklemmen des Akkus etwas irritiert ist und „spinnt“ (Seitenscheibenanschläge neu "lernen", siehe Bedienungsanleitung). Aber sie ist ja lernfähig und arbeitet nach ein paar Tagen der Gewöhnung an die volle Spannung wieder einwandfrei.
Zum Thema Akkupflege, insbesondere während der Winterpause, wäre noch Folgendes anzumerken. Ein Akku, auch wenn er über den Winter abgeklemmt sein sollte und keine Energie abgegeben wird, entlädt sich durch innere chemische Abläufe selbst. Ferner bildet sich auf den Bleiplatten im Laufe des Akkulebens durch elektrolytische Vorgänge eine Sulfatschicht, die einen gewissen elektrischen Widerstand bildet und damit infolge der isolierenden Wirkung zu erheblichen Kapazitätsverlusten führt. Je dicker diese Schicht wird, umso mehr sinkt die Spannung. Irgendwann bricht der Akku ganz zusammen.
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Um diesen beiden Vorgängen entgegenzuwirken und auch die Lebensdauer zu verlängern, sollte der Akku insbesondere in der Winterpause regelmäßig be- und entladen werden. Um dem vorzeitigen Exodus des Akkus vorzubeugen, sollte auf jeden Fall etwa alle sechs Wochen eine Nachladung erfolgen. Besser jedoch ist eine permanente Erhaltungsladung mit Be- und Entladezyklen.
Zur Abdeckung dieser Pflegebedingungen habe ich mir ein elektronisch geregeltes Ladegerät, Typ BV 11800 der Firma Fritec, zugelegt (etwa 80 Euro). Nach dem Anschließen führt das Gerät einen Selbsttest durch und zeigt mit zwei Leuchtdioden jeweils die Betriebsbereitschaft und eventuelle Verpolungsfehler sowie über vier Leuchtdioden den jeweiligen Ladezustand an. Dann beginnt der Ladevorgang. Stellt die Elektronik einen sulfatierten Akku fest, versucht das Gerät mit Spannungsspitzen, die bis zum Erfolg mehrmals wiederholt werden, die Sulfatschicht zu knacken. Nach erfolgreicher Entsulfatierung beginnt der eigentliche Ladevorgang. Ist die volle Ladung erreicht, schaltet das Gerät in einen Fahrsimulationzyklus, das heißt ent- und belädt den Akku automatisch, also ein ideales Dauerladegerät für die Winterzeit.
Was ich fast vergessen hätte, noch zum Schluss: Zwischendurch immer den Säurestand der einzelnen Zellen kontrollieren und falls erforderlich mit destilliertem Wasser ergänzen.


