Besonderheiten bei Fehlfunktionen der Automatikgetriebe

Aus Technikwiki R129
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Text: Gerhard Schulz (CR16/S16)

Fahrzeuge vom Typ R129 wurden, je nach Produktionszeit, mit unterschiedlichen MB-Automatikgetrieben ausgerüstet:


Pos. Getriebegeneration Getriebebaumuster Getriebetyp Anzahl Ölwannenschrauben Produktionszeitraum Motoren
1 3 722.3 W4A 040 6 07/89 - 08/95 6 + 8 Zylinder
2 3 722.5 W5A 030 6 07/89 - 05/96 6 Zylinder M104
3 3 722.3 W4A 055 6 05/91 -- 08/95 12 Zylinder M120
4 3 722.4 W4A 020 6 08/93 — 05/96 6 Zylinder M104-E28
5 4 722.6 W5A 330 6 06/96 — bis Serienauslauf 6 Zylinder
6 4 722.6 W5A 580 6 09/95 — bis Serienauslauf 8 + 12 Zylinder


  • Baumuster 722.3 (W4A 040), mit mechanisch/hydraulischer Steuerung.
  • Baumuster 722.3 (W4A 055), mit mechanisch/hydraulischer Steuerung, für Motor M120 (12 Zylinder)
  • Baumuster 722.5 (W5A 030), mit mechanisch/hydraulischer Steuerung, jedoch die Schaltungen 4-5-4 werden elektronisch gesteuert.


Getriebe mit vollelektronischer Steuerung:

  • Baumuster 722.6 (W5A 330) für leistungsschwächere Motoren.
  • Baumuster 722.6 (W5A 580) für leistungsstarke Motoren



Automatikgetriebe mit mechanisch/hydraulischer Steuerung, Baumuster 722.3 und 722.5

Durchrutschbeanstandung; (Schlupf) im Getriebe, bzw. beim Gasgeben = Motor tourt auf, nicht weiterfahren. Das Getriebe kann so auf kurze Distanz, bedingt durch Rutschen = Reibung = Erwärmung, zerstört werden.

Es wird empfohlen das Fahrzeug zu verladen oder abzuschleppen. Einzelheiten hierzu siehe Betriebsanleitung des jeweiligen Fahrzeugs.

Bei Abschleppen des Fahrzeugs unbedingt beachten:

  1. Wählhebel in Position „N“
  2. Fahrzeuggeschwindigkeit maximal 50 km/h
  3. Schleppdistanz bei Fzg. mit Sekundärölpumpe am Getriebe = max. 120 km (Fahrzeuge o. KAT)
  4. Schleppdistanz bei Fzg. ohne Sekundärpumpe am Getriebe = max. 50 km (Fahrzeuge mit KAT)

Automatikgetriebe mit vollelektronischer Getriebesteuerung, Baumuster 722.6

Das Steuergerät des Automatikgetriebes, erkennt auftretende Störungen, speichert den erkannten Fehler gleichzeitig in 2 Fehlerspeichern, aktueller bzw. Geschichtsspeicher, ab und schaltet auf „NOTLAUF“. Bei Notlauf ist die elektrisch/elektronische Funktion deaktiviert, und die hydraulischen Drücke steigen auf den Maximalwert. Einschaltstoß von „P“ oder „N“ auf „D“ bzw. „R“ spürbar hart.

Das Diagnosesystem des Steuergerätes erkennt zwei unterschiedliche Systeme des Notlaufs

  1. Störungen im elektrisch/elektonischen System und
  2. Störungen im mechanisch/hydraulischen System (Schlupf)

Elektrisch/elektronisches System

Tritt während der Fahrt ein Fehler auf, wird der Notlauf aktiviert. Das Getriebe bleibt in dem zuletzt geschalteten Gang. Dieser Gang bleibt auch beim Anhalten und wieder Anfahren geschaltet.
Durch Zündung Ausschalten und wieder Einschalten werden sporadisch auftretende Fehler im aktuellen Fehlerspeicher des Steuergerätes gelöscht und die Normalfunktion des Getriebes ist restauriert.
Kann der Notlauf so nicht deaktiviert werden, folgenden Ablauf durchführen:

  • Anhalten
  • Wählhebel auf Position „P“
  • Motor abstellen
  • Mindestens 10 Sekunden warten
  • Motor starten, danach wird;
  • Nach Einlegen der Wählhebelposition „D“, der 2. Gang geschaltet und gehalten, (kein weiterer Gangwechsel)
  • Nach Einlegen der Wählhebelstellung „R“ wird der Rückwärtsgang „2“ kraftschlüssig

Das Fahrzeug kann problemlos bis zur nächsten MB-Werkstatt gefahren werden. (Kein Abschleppen erforderlich)

Mechanisch/hydraulisches System

Wird während der Fahrt Schlupf im Getriebe festgestellt, schaltet das System in den 3. Gang. Nach Anhalten, Ausschalten und wieder Einschalten der Zündung wird die Normalfunktion restauriert, bis erneut Schlupf festgestellt wird.

MB-Werkstätten, ausgerüstet mit dem Testgerät „Stardiagnose“, können aus dem Geschichtsspeicher des Steuergerätes alle zuvor aufgetretenen Fehler auslesen und löschen.


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