Austausch des Reglers für das Innenraumgebläse

Aus Technikwiki R129
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Text und Fotos: Roland Frank

(Anmerkung: Dieser Artikel beschreibt die gleiche Reparatur wie der vorangehende Beitrag ("Da bleibt mir doch die Luft weg…"), jedoch am R129 Mopf 1 statt am Mopf 2. Zu den einzelnen Arbeitsschritten sind hier mehr Bilder enthalten.)


1. Ausgangsituation

Im Sommer 2024 arbeitete bei meinem R129 SL (Mopf1) das Innenraumgebläse nur noch in den Stufen 1 und 2. Zwar ließen sich die Stufen 3 und 4 am Bedienteil anwählen, doch die Aktivität des Gebläses blieb unverändert in Stufe 2.


2. Erste Befundung

Für den Funktionsausfall kommen zwei nahe liegende Ursachen in Betracht:

Erstens: Ein Defekt am Innenraum-Bedienteil, das an den Gebläseregler Steuersignale sendet.

Zweitens: Ein Defekt am Gebläseregler, der am Gebläsemotor verbaut ist.

Bild 1: Bedienteil im Innenraum

Welche der beiden Möglichkeiten in Betracht kommt, lässt sich leicht prüfen. Im Motorraum links, hinter dem Bremskraftverstärker, ist eine 3-polige Steckverbindung. Über diese ist das Bedienteil mit dem Gebläseregler verbunden. Zwischen den Pins 1 und 2 lässt sich mit einem Multimeter die Spannung messen, die das Bedienteil an den Gebläseregler schickt. Typische Werte liegen zwischen 0 Volt (Gebläse aus) und etwa 5 Volt (Gebläse Stufe 4). Bild 3 zeigt den Schaltplanausschnitt für die Ansteuerung des Gebläsereglers (Quelle: WIS R129, Datei 83-502.pdf) .

Bild 2: Steckverbindung zwischen Bedienteil im Innenraum und Regler am Gebläse
Schaltplan Ansteuerung Gebläseregler
Bild 3: Schaltplan

An der Steckverbindung konnten für alle vier Gebläsestufen die relevanten Werte gemessen werden.

Fazit:

Der elektronische Gebläseregler ist defekt und muss erneuert werden. Der Gebläseregler (Teilenummer 129 821 33 51) wurde im Versandhandel gekauft. Es werden verschiedene Fabrikate angeboten und die Preisspanne ist groß. Gewählt wurde der Regler von Meyle zum Preis von ca. 90,-- (2024).

Wichtig: Auch Wärmeleitpaste vor Beginn der Arbeit beschaffen. Sie ist erforderlich für guten Wärmekontakt zwischen dem Gebläseregler und dem Kühlkörper, auf den der neue Regler aufgeschraubt wird.


3. Planung der Reparatur

Das Gebläse befindet sich im Zwischenaggregateraum unterhalb des Scheibenwischers. Die Abbildung aus dem R129 WIS zeigt die Lage im Fahrzeug.

Bild 4: Lage des Gebläses

Um an den Gebläsemotor zu gelangen, ist einiges an Demontagearbeit erforderlich. Dafür sollte man einige Stunden Zeit einplanen. Einerseits muss man zur Schonung der gealterten Kunststoffteile sehr vorsichtig vorgehen und andererseits fallen Reinigungsarbeiten an, da die Teile zumeist recht verschmutzt sind wie man auf einigen Bildern deutlich sieht. Außerdem sind viele und vor allem verschiedene Schrauben zu lösen. Um den Zusammenbau zu erleichtern hilft es, die Schrauben jeweils zusammen mit den entfernten Bauteilen aufzubewahren, denn so erspart man sich beim Zusammenbau eine langwierige Suche nach den jeweils richtigen Schrauben. Hierbei hilft es auch zu fotografieren, um die Zusammengehörigkeit von Bauteil und Schraube(n) festzuhalten.

Bei der Demontage sollte man peinlich genau darauf achten, Schrauben beim Herausdrehen gleich sicher zu fassen. Schrauben, die nach Lösen in den Montagebereich fallen, sind schwer wieder zu bergen. Sie können in ableitende Wasserschläuche gelangen und sind nur mit viel Aufwand wieder rückholbar.

Darüber hinaus ergab sich noch ein Problem, das bei der Planung der Reparatur nicht erkannt wurde, sondern sich erst bei der Demontage zeigte: Um die vorderen Schrauben zu lösen, die den Wasserableiter (-Kasten) fixieren, muss ein Kabelbaum verlegt werden. Er verläuft von der Modulbox rechts mit den Steuergeräten nach links zur Fahrerseite und überdeckt die Schrauben (Bild 6, Pfeil). In Anbetracht der bekannten Brüchigkeit der Isolationen bei vielen Kabelbäumen gilt es zu prüfen und abzuwägen, ob man diese Reparatur vornehmen kann, ohne weitere Schäden durch Kurzschlüsse im Kabelbaum zu provozieren. Im vorliegenden Fall war das Isoliermaterial noch beweglich, sodass weiter gearbeitet werden konnte.


4. Übersicht zu den anstehenden Arbeiten

Im WIS des R 129 (Dokument ra83001290120x.pdf) sind Arbeiten für den Ausbau des Gebläsemotors aufgelistet, wobei auf den Ausbau des Motors verzichtet werden kann und sollte. Folgende Arbeiten fallen dazu an:

• Staubfilter entfernen

• Wischeranlage ausbauen; WIS Sicherheitshinweis: Bei Arbeiten an der Scheibenwischermechanik immer den Zündschlüssel abziehen.

• Linken und rechten Wasserablauf ausbauen

• Unterdruckleitungen abziehen

• Wasserableiter ausbauen

• Gebläseregler abnehmen und neu verbauen

Hinweis: Keinesfalls sollte man das Halteband abklipsen, das den Gebläsemotor mit dem Gebläsekasten verbindet. Die Kunststoffhalterungen, an denen das Halteband befestigt ist, sind dünn und zumeist durch Alterung stark versprödet. Sobald man das unter starker Zugkraft stehende Halteband zu lösen versucht und dabei etwas verdreht, besteht die große Gefahr, dass die Kunststoffteile des Gebläsekastens brechen. Dann hat man ein schwer zu lösendes Problem, denn das Teil ist nicht mehr lieferbar!


5. Arbeitsvorbereitungen

Motorhaube öffnen und in Stellung für Fahrzeugwartung bringen. Zündschlüssel abziehen (Sicherheitshinweis s.o.)

Werkzeug (Ratschenkasten, Schraubendreher, Spitzzange, Seitenschneider, usw.) sowie diverse Utensilien (Dosen zur Schraubenaufbewahrung o.ä., Lagerfett, Reinigungslappen, Wassereimer und Spülmittel, zusätzlich ggfs. Kunststoffreiniger, Klebeband, Stift, Handy zum Fotografieren usw.) bereit legen.


6. Demontage – Verkleidungen und Abdeckungen

Zuerst zieht man den Karosseriedichtungsgummi (gelber Pfeil) ab und entfernt die beiden Kreuzschlitzschrauben vom Luftansaugrohr. Nach vorsichtigem Drücken der drei Clips (grüne Pfeile) lässt sich das Luftansaugrohr entfernen.

Bild 5: Abeitsbereich
Bild 6: Luftansaugrohr entfernt
Bild 7: Staubfilter entfernt

In Bild 6 zeigt der rote Pfeil auf den Kabelbaum, der zur Demontage verlegt werden muss. Außerdem sieht man auf den Staubfilter, der sich einfach herausnehmen lässt.

Nach der Entfernung des Staubfilters (Bild 7) sieht man auf den Gebläsemotor und den Gebläseregler. Als nächstes werden die beiden eingeclipsten flexiblen Gitter auf der rechten und linken Seite unterhalb der Windschutzscheibe abgebaut. Da sie brüchig sein können, ist vorsichtige Behandlung nötig.

Bild 8: Gitter entfernt, Wasserablauf linksseitig sichtbar
Bild 9: Wasserablauf entfernt, Temperaturfühler sichtbar

Das gibt den Blick frei auf die Wasserabläufe des unteren Randes der Windschutzscheibe. Diese tragen an der Oberseite ein Metallnetz und sind mit Kreuzschlitzschrauben befestigt. Die Wasserabläufe werden entfernt.


7. Demontage der Wischeranlage

Nach Abbau der Wasserabläufe liegt der untere Rand der Windschutzscheibe frei. Die Glaskante ist empfindlich und darf keinesfalls beschädigt werden. Zur Sicherheit kann man sie mit Klebeband schützen (siehe Bild 12). Jetzt lässt sich die Abdeckung der Wischeranlage demontieren, nachdem man noch zuvor den Temperaturfühler (Bild 9, roter Pfeil) aus seiner Halterung gezogen hat. Nun liegt die Scheibenwischanlage frei.

Bild 10: Freigelegte Scheibenwischanlage
Bild 11: Scheibenwischanlage abgebaut
Bild 12: Elektrische Leitungen der Scheibenwischanlage abklemmen

Zum Ausbau der Scheibenwischanlage werden drei Muttern M6 (rote Pfeile) entfernt und das gesamte Teil und aus der Halterung gezogen, die sich unterhalb der Drehachse unter der kleinen Plastikverkleidung verbirgt (Bild 10, grüner Pfeil und Einschaltbild).

Der elektrische Anschluss der Scheibenwischanlage wird an der Steckverbindung rechts im Motorraum abgeklemmt (roter Pfeil) und das Kabel samt Stecker aus der Durchführung herausgezogen. Jetzt kann die Scheibenwischanlage entfernt werden.


8. Demontage – Wasserableiter

Vor dem Ausbau des Wasserableiters sind noch Unterdruckverbindungen zu lösen (siehe Foto, rote Pfeile). Die Verbindungen waren sehr fest und es bestand die Sorge, dass die Kunststoffteile beim Aufhebeln brechen könnten. Doch glücklicherweise hielten sie der Belastung stand und waren auch nach dem Zusammenbau alle wieder dicht. Zumindest ist kein Funktionsausfall der Lüfterfunktionen eingetreten.

Bild 13: Unterdruckleitungen abziehen

Jetzt können die Befestigungsschrauben des Wasserableiters gelöst werden. Es handelt sich um 8 Schrauben M6 und zwei Gummipuffer. Jetzt trat das bereits beschriebene Problem auf, dass die vorderen Schrauben von einem Kabelbaum überdeckt werden. Der Kabelbaum verläuft zwischen dem Wasserableiter und der Schottwand zum Motorraum.

Bild 14: Kabelbaum verdeckt Schrauben
Bild 15: Steckverbindung an der Modulbox lösen
Bild 16: Kabelbaum verlegt, Schrauben sind zugänglich

Um den Kabelbaum ohne größere Kraftanwendungen bewegen zu können, wird die Modulbox geöffnet und die Steckverbindung am Steuergerät gelöst Jetzt lässt sich der Kabelbaum leicht verlegen und der Zugang zu den Schrauben ist frei.


9. Demontage und Einbau des Gebläsereglers

Nach dem Abheben des Wasserableiters ist der Zugang frei zum Gebläsemotor und dem angebauten Regler. Dieser ist leicht abzuschrauben.

Bild 17: Freier Zugang zu Gebläsemotor und Gebläseregler


Der Gebläseregler wird ausgewechselt. Die Auflagefläche am Kühlkörper wird von Rückständen der alten Wärmeleitpaste gesäubert und frische Paste auf die Unterseite des neuen Reglers aufgetragen, bevor er festgeschraubt wird. Der Anschluss vom Regler zum Motor erfolgt ohne Abnahme des Haltebands. Die neue Leitung vom Regler befestigt man am Halteband z. B. mit Kabelbindern.

Bild 18: Austausch des Gebläsereglers Kontaktflächen reinigen
Bild 19: Vergleich von neuem und altem Gebläseregler

Die genaue Betrachtung des alten Reglers lässt vermuten, dass er durch Überhitzen beschädigt wurde. Dafür spricht zum einen, dass nur noch ganz wenig eingetrocknete Wärmeleitpaste auf den Kontaktflächen zu finden war. Zum anderen wurde das Gebläse vor dem Ausfall für mehr als eine Stunde auf der höchsten Lüfterstufe 4 betrieben.

Interessant ist der Vergleich von altem und neuem Gebläseregler. Der neue Regler besitzt eine viel größere Oberfläche zur Wärmeableitung. Das thermische Problem dieses Bauteils ist also vermutlich bekannt und hoffentlich damit auch gelöst.

Bevor man nun an den Zusammenbau geht, hat man jetzt die Gelegenheit einem Übel abzuhelfen, das bei vielen der alten Fahrzeuge auftritt. Vielfach verursacht der Lüfter Quietschgeräusche, die gelegentlich verschwinden, dann aber wieder auftreten und sehr störend sein können – so auch bei meinem Fahrzeug. Abhilfe schafft das Schmieren der beiden Lagerstellen der links und rechts austretenden Achse vom Gebläsemotor. Ich habe dafür Schmierfett von Molykote verwendet, wie es für Radlagerschmierung verwendet wird. Mit einem Holzstäbchen, behelfsmäßig mit einem kleinen Schraubenzieher, versucht man so gut es geht das Fett entlang der Achse an die Lagestellestelle zu bringen. Ein nicht quietschender Lüfter ist eine enorme Komfortsteigerung.


10. Remontage aller Teile

Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge wie der Ausbau. Es ist sinnvoll, die verschmutzten Teile zu gründlich reinigen. Dann sieht alles wieder viel gepflegter aus, denn im zusammen gebauten Zustand ist eine solche Reinigung kaum möglich.


11. Fazit

Der Aufwand ist nicht gering, denn es sind viele Teile abzubauen. Doch das ist für einen einigermaßen geübten Hobbyschrauber zu leisten. Man muss sich Zeit nehmen und mit den alten Teilen sorgfältig umgehen, dann wird man die Arbeit erfolgreich zu Ende führen können.