Wenn der Riemen von der Orgel springt, M112/M113
von Karl-Heinz Hollas † RT Oldenburg (G1/S13)
Der Riementrieb am M112/M113
Mit der Einführung der neuen V-Motorengeneration (V6 mit 204 / 224 PS und V8 mit 306 PS) setzte man in der Ausführung der Kurbelwellenriemenscheibe auf einen Schwingungstilger. Dieser Schwingungstilger sollte feinste Drehzahlschwankungen und Stöße von Kurbelwelle und Riementrieb fernhalten. Technisch wurde es dadurch gelöst, dass man zwischen der Nabe (Stahl) und dem Riemenlaufring (Stahl) einen Gummiring einvulkanisierte (Abbildung Riemenscheibe mit kaputtem Dämpfer).
Nun kamen aber diverse Störgrößen ins Spiel, die das Leben des Gummiringes schwer machten. Äußere Kräfte durch den Riementrieb, Lenkhelfpumpe, Klimakompressor, Lichtmaschine und Wasserpumpe wollen angetrieben werden, die den Gummiring in gewissen Betriebszuständen extrem unter Stress setzen. Zusätzlich kommt noch die Sache mit der Wärmeausdehnung hinzu. Erwärmen sich Laufring und Nabe unterschiedlich, wird das Gummi zusätzlich in radialer Richtung belastet.
So kann es nun passieren, dass im Laufe der gefahrenen Kilometer der Gummiring seinem Leben ein Ende setzt und die Verbindung mit den Stahlkomponenten aufgibt, was zur Folge hat, dass sich der Riemenlaufring mit ordentlich Getöse von seiner vorgegebenen Position verabschiedet. Die Gefahr besteht, dass eben dieser Ring, wenn er sich Richtung Motor auf den Weg macht, schwere Schäden am Steuerkastendeckel verursachen kann.
Da es in der Mitgliederlandschaft immer wieder Mal Probleme mit der Riemenscheibe gibt, wollen wir hier darauf näher eingehen. Was sollte man nun tun, wenn einen dieses Schicksal ereilt? Zunächst einmal, wenn man laute metallische Geräusche (schlagen, klopfen oder mahlen) aus dem Motorraum vernimmt, nach dem Rechten schauen. Ein Blick auf die untere Riemenscheibe mittig am Motor könnte schon für Klarheit sorgen. Sitzt der Laufring nicht mehr an seiner vorbestimmten Stelle, sollte man weitere Start- oder Fahrversuche tunlichst unterlassen. Das ist ein Fall für den Abschlepper.
Da es in der Entwicklungsgeschichte der Riemenscheibe sechs bis sieben Evolutionsstufen der Riemenscheibe gab, also aus gutem Grund nachgebessert wurde, sollte der Fahrer eines Mopf II R129 von Zeit zu Zeit einen Blick auf den Riementrieb werfen, es sei denn, die Riemenscheibe wurde schon ersetzt. Vorgehensweise siehe Bild gemäß „Service Info“. Quillt das Gummi schon partiell aus den beiden Stahlteilen oder ist zu erkennen, dass ein metallisch glänzender Bereich an der Nabe sichtbar ist: unverzüglich eine neue Riemenscheibe montieren.
Was kostet die Reparatur?
Riemenscheibe circa 200 Euro (aktuelle Teilenummer A112 035 14 00 )
Schraube circa 12 Euro
Montagekosten beim Daimler circa 200 Euro
Im Onlinehandel werden Riemenscheiben ab 50 Euro angeboten. Wir raten jedoch vom Kauf dieser Teile ab, da bislang nicht bestätigt werden konnte, dass alle Teilverbesserungen an diesen Bauteilen übernommen wurden. Vertrauen wir hier auf die Kompetenz der Ingenieure beim Daimler.
Abschließend stellt sich nun die Frage: Ist das ein Fall für die Hobbywerkstatt oder den Vertragshändler?
Hat man das Spezialwerkzeug zum Gegenhalten der Riemenscheibe, eine 17 mm Innensechskantnuss, eine 27er Stecknuss, einen Drehmomentschlüssel mit mindestens 200 Nm, und wenn einem klar ist, was ein Anzugsmoment von 200 Nm + 90° Weiterdrehwinkel bedeutet, der Schrauber weiß, was er tut und ein zweiter Mann vor Ort ist, steht dem DIY nichts im Weg. Eine ausführliche Beschreibung ist im WIS zu finden






