Der Sitz, der sich teilweise nicht mehr bewegt
Text und Fotos: Roland Frank
Ausgangsituation
Beim R129 (Vormopf) eines Clubfreundes funktionierte die elektrische Sitzverstellung rechts (ohne Memory) nicht mehr vollständig. Drei Funktionen waren ausgefallen. Zwar ließ sich der Sitz noch vor- und zurückfahren sowie das Sitzpolster vorne anheben und absenken, aber die Verstellung von Nackenstütze, Rückenlehne und Sitzpolster hinten war nicht mehr möglich (Bild 1).
Erster Reparaturversuch
Auf der Suche nach der Ursache schauten wir zuerst ins Technik-Wiki und fanden den wertvollen Beitrag „Der Sitz, der sich nicht mehr bewegt ...“ von Felix Mühlhäuser.
Bestärkt durch diesen Beitrag, der die kritischen Arbeiten detailliert beschreibt, machten wir uns mit Zuversicht ans Werk. Wir bauten das Bedienelement für die Sitzverstellung aus der Türe aus, zerlegten es und schauten die Lötstellen an.
Da stellte sich die erste Ernüchterung ein. Die Lötstellen sahen eigentlich nicht brüchig aus. Dennoch löteten wir sie sorgfältig nach und bauten das Bedienelement wieder ein. Aber leider war diese Maßnahme nicht hilfreich. Die drei ausgefallenen Verstellfunktionen für den Sitz waren auch jetzt nicht aktivierbar.
Zweiter Anlauf für eine Reparatur
Die nächste Überlegung war: Wenn der Fehler nicht am Bedienelement liegt, dann ist er im Bereich der Leitungen zu verorten. Nahe lag der Gedanke, es könnte sich um einen Kabelbruch handeln.
Wir bauten das Sitzpolster aus. Das geht einfach: Zwei Schrauben entfernen, Kabelverbindung der Sitzheizung abziehen, Sitzpolster vorne anheben und nach vorne in Fahrtrichtung herausziehen. Das gab den Blick frei auf die Mechanik und Elektrik der Sitzverstellung (Bild 2). Das große Bauteil mit den vielen Leitungen ist das Sitzsteuergerät.
Jetzt bewegten wir nacheinander die Kabelbäume und betätigten gleichzeitig die in Frage kommenden Bedienelemente der Sitzverstellung. Und plötzlich waren die fehlenden Funktionen wieder verfügbar. Doch leider nur kurz.
Inzwischen hatten wir das Steuergerät samt Halterung vom Fahrzeugboden gelöst (zwei Kreuzschlitzschrauben entfernt, siehe Pfeile in Bild 2), um mehr Bewegungsfreiheit beim Bewegen der Kabelbäume zu bekommen. Doch die Sitzverstellung versagte so lange, bis zufällig auch Druck auf das Steuergerät ausgeübt wurde. Rasch war klar, es handelt sich um ein Kontaktproblem im Steuergerät und nicht um einen Kabelbruch in den Kabelbäumen.
Fehlersuche am Steuergerät
Wir öffneten das Steuergerät oben durch Entfernen einer Schraube und Abziehen der oberen Abdeckung, was leicht möglich war.
Jetzt konnten wir die Fehlerstelle etwas eingrenzen, indem wir vorsichtig auf die freigelegte Platine, die vor allem mit Relais bestückt ist, Druck ausgeübt haben. Dabei zeigte sich, dass das Kontaktproblem im Bereich eines Relais liegen musste (siehe Bild 3, roter Pfeil). Das Steuergerät muss also ausgebaut werden.
Ausbau und Reparatur des Sitzsteuergeräts
Der Ausbau des Steuergeräts ist einfach.
Zuerst müssen alle neun Steckverbindungen entfernt werden. Sie lassen sich nach oben abziehen. Teilweise haben sie an der Oberseite einen Bügel. Hier kann man einen Haken einführen und daran ziehen.
Zuletzt löst man vorne zwei Schrauben (Bild 3, grüne Pfeile) und zieht das Gerät, das mit zwei Zapfen hinten in der Halterung steckt, heraus.
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Das Kunststoffgehäuse des Steuergeräts lässt sich unkompliziert weiter öffnen und so kommt man an die Leiterbahnseite der beiden enthaltenen Platinen (Bild 4). Sie sind elektrisch mit Flachbandkabel und mechanisch mit drei Stopfen miteinander verbunden. Durch Zusammendrücken der Spitzen der Stopfen lässt sich die kleinere Platine von der großen trennen und zur Seite klappen. Das Flachbandkabel ist flexibel und muss nicht entfernt werden. Mithilfe einer Lupe wurden alle Lötstellen abgesucht. Dabei war erkennbar, dass vier Lötpunkte der großen Platine unter dem besagten Relais (siehe Bild 3) brüchig waren. Diese "kalten Lötstellen" wurden sorgfältig nachgelötet, sodann das Steuergerät wieder zusammengesetzt und ins Fahrzeug eingebaut.
Fazit
Die Sitzverstellung arbeitet wieder zuverlässig. Wie oft bei Ausfällen der Elektrik ist die Fehlersuche viel schwieriger und aufwändiger als die Reparatur selbst. Sehr erfreulich ist, dass der R129 so konstruiert und gebaut ist, dass eine derartige Reparatur ohne Schneiden, Sägen oder Bohren an Bauteilen möglich ist. Die Verwendung solider Schraub- und Steckverbindungen ermöglichte hier eine einfache De- und Remontage aller betroffenen Komponenten.
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