Diebstahlschutz allgemein

Aus Technikwiki R129
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Diebstahlschutz allgemein

von Frank Risse (Classic Roadster 35, S. 44)

Gepflegte R129 beginnen langsam wieder an Wert zuzunehmen und reihen sich damit in die typische Entwicklung ihrer Vorgänger ein. Allerdings wird der R129 auch für Eigentumsdelikte – gemeinhin „Diebstahl“ genannt – interessant, so dass man geeignete Maßnahmen zum Schutz seines Eigentums ergreifen sollte.

Bevor man nun losrennt und irgendein gerade in den Medien beworbenes Hilfsmittel kauft, sollte man sich ein paar Gedanken über dessen Wirksamkeit machen. Dieser Beitrag beschäftigt sich neben dem R129 auch mit älteren und moderneren Fahrzeugen und nennt einige Sicherungsmöglichkeiten, stellt aber weder Anspruch auf Vollständigkeit noch deckt er exotische oder zukünftig mögliche Szenarien ab. Insofern ist dieser Beitrag eher als Anregung zum Nachdenken zu verstehen.

Aus der ursprünglich entworfenen MindMap (Bild 1) entstand schließlich dieser Artikel. Wie immer gilt: Wer sich durch diesen Beitrag nicht angesprochen fühlt, möge ihn bitte überspringen. Für Nachbau oder eigene Versuche des Lesers übernimmt der Autor keine Verantwortung, warnt vor dem Umgang mit sicherheitsrelevanten Komponenten und empfiehlt das Aufsuchen einer Fachwerkstatt.

Betrachten wir zunächst ein paar typische Diebstahl-Szenarien:

  • Unverschlossene Autos mit sichtbar im Wagen liegendem oder sogar steckendem Zündschlüssel fallen – höflich formuliert – unter „leichtsinnig“, verbieten sich von selbst und werden hier nicht weiter betrachtet.
  • Gelegenheits- und Spritztour-Diebe lassen sich oft durch von außen gut erkennbare mechanische Sperren (etwa Parkkralle, Lenkradkralle) abschrecken.
  • Diebe mit leichtem Werkzeug (etwa Kältespray, Stechschraubendreher, Brecheisen, Bolzenschneider) und geklautem Schlüssel (gegebenenfalls auch Keyless-Go-Verlängerung) kommen bis ins Auto und werden dann nur noch durch Gangschaltsperren und Schalterlösungen aufgehalten.
  • Profis mit gutem Werkzeug und Abschleppwagen mit Hebekran sind kaum zu stoppen. Oft handelt es sich um einen Auftragsdiebstahl für das Ausland oder für die Zerlegung zwecks Teileverkauf.
  • Beleuchtung, Kameras und Alarmanlagen können stören, schrecken den motivierten Dieb aber kaum ab. Dagegen ist ein stabiles Garagentor mit Poller ein mechanisch schwer überwindbares Hindernis, auch für einen Abschleppwagen mit Kran. Teilediebe könnten aber interessiert bleiben.
  • (Raub-)Überfall oder Bedrohung bitte keinen Widerstand leisten: Das Auto ist ersetzbar (zumindest der Geldwert per Versicherung), das eigene Leben nicht!


Offensichtlich können verschiedene Maßnahmen nötig werden, um einen Dieb abzuschrecken oder abzuwehren. Die vielen denkbaren Einzelpunkte mögen etwas unübersichtlich erscheinen, lassen sich jedoch – zusammen mit den grundsätzlich empfehlenswerten Schritten – grob in vier Kategorien einsortieren.

Grundsätzlich empfehlenswerte Schritte

Versicherung

Die meisten auf öffentlichen Straßen fahrenden deutschen Autos sind per Haftpflicht und Teilkasko versichert, oft auch per Vollkasko. Damit ist eine grundlegende Absicherung gegeben. Bei genauerem Hinsehen können für Young- und Oldtimer, eher für Veteranen, aber noch Ergänzungen sinnvoll sein. Beispiele dafür sind:

  • Vollkasko inklusive Vandalismus-Absicherung, damit kleinere Kratzer nicht den Spaß verderben.
  • Auslandsschadenschutz, damit Unfallschäden im Ausland von der eigenen Versicherung abgedeckt werden, egal ob der Unfallgegner versichert ist oder nicht.
  • Gutachten zum Auto, damit Zustand und Wert nachweisbar sind. Das Gutachten sollte regelmäßig (alle paar Jahre) erneuert und der Versicherung als Kopie übergeben werden, so dass dort immer der aktuelle Wert bekannt ist.
Autoschlüssel

Jedes Auto hat mindestens zwei Schlüssel, bei Oldtimern und Veteranen oft auch mehr, etwa für das Handschuhfach und den Kofferraum. Im Normalfall sollten die Schlüssel im Tresor liegen, so dass sie bei einem Einbruch ins Haus nicht so leicht gestohlen werden können.

  • Bei Ausflügen sollte der Zweitschlüssel entweder mitgenommen werden oder im Tresor verbleiben, aber nicht sichtbar am häuslichen Schlüsselbord hängenbleiben. Speziell beim R129 sollte man bei weiten Reisen den Zweitschlüssel besser mitnehmen, da es leider immer wieder vorkommt, dass man versehentlich die Jacke mitsamt Schlüssel im Kofferraum einschließt. Ohne Zweitschlüssel kostet das eine Zugfahrt nach Hause und wieder zum R129 – und das muss man nicht unbedingt haben.
  • Bei Infrarot- oder Funkschlüsseln sollte eine Reservebatterie im Fahrzeug vorhanden sein. Beim R129 lässt sich mit leerer Schlüsselbatterie die Tür zwar mechanisch aufschließen, wobei gegebenenfalls die Alarmanlage losgeht, die Wegfahrsperre verhindert jedoch den Motorstart. Erst das elektronische Aufschließen per Infrarot- oder Funkschlüssel entsperrt die Steuergeräte. Daher ist eine neue Reservebatterie im Wagen immer hilfreich – mitunter auch als freundliche Hilfe für andere Mercedes-Fahrer mit leerer Schlüsselbatterie.
Wertgegenstände

Im Auto sollte nichts offensichtlich Wertvolles sichtbar liegengelassen werden, um einem möglichen Dieb keinen Anlass zum Einbruch zu geben.

Mechanische Sperren

Mechanische Hindernisse oder Sperren am Auto oder um das Auto herum helfen gegen ungewolltes Entfernen des Autos. Sie zeigen dem Dieb aber auch, dass hier mit Mehraufwand (Werkzeug, Lärm, vor allem aber Zeit) zu rechnen ist, was Gelegenheitsdiebe bereits abschrecken könnte.

Garage

Die Garage – insbesondere Tor, Seitentür und Fenster – sollten so abgesichert sein, dass sie noch bequem zu handhaben sind, aber doch das unerlaubte Eindringen in die Garage deutlich erschweren.

  • Ein stabiles Metalltor erschwert das Aufschieben beziehungsweise Aufhebeln und somit das Eindringen in die Garage. Bei elektrischem Torantrieb sollte im Urlaub oder bei längerer Abwesenheit der Motor vom Stromnetz getrennt werden. Weiterhin sollte die Torfernbedienung einen rotierenden Verschlüsselungscode haben, weil die sehr einfachen früheren Codes leicht abgreifbar sind und so der Dieb das Tor selbst leicht öffnen kann. Details kennt der Torhersteller.
  • Eine passend abgelängte Dachlatte in jeder Laufschiene (Bild 2) blockiert bei Nichtnutzung des Autos (etwa im Winter oder bei längerer Abwesenheit) das Öffnen des Tors. Einfache Kabelbinder verhindern das Herausfallen und gegebenenfalls Beschädigen des darunter stehenden Autos – auch bei sehr intensivem Rütteln am Tor (etwa bei böigem Wind oder durch den Dieb).
  • Bei der Schließung des Tors sollte sich zumindest einer, vorzugsweise mehrere Sperr-Riegel seitlich oder unten/oben im Rahmen verankern (Bild 3).
  • Die Seitentür sollte auch gesichert werden, etwa durch Schloss oder Querriegel, da das Tor sonst vom Dieb von innen entriegelt und die Schutzmaßnahmen entfernt werden können und somit nutzlos sind.
  • Tor und Seitentür sollten möglichst auch an den Hausalarm angeschlossen werden (Bild 4).

Eine Garage alleine ist jedoch wirkungslos gegen das Aufschneiden des Tores per Flex oder Plasmaschneider.

Hinweis: Bei Garagenhöfen mit vielen Einzelgaragen darf man meist keine eigenen Sicherungsmaßnahmen in die angemietete Garage einbauen. Das wissen auch die Diebe und gehen nach einem allgemeinen Hinweis (etwa „in dem Hof steht ein teurer SL“) oft so vor, dass sie pro Garage zunächst ein unauffälliges kleines Loch ins Tor bohren und per Endoskop-Kamera das Auto und die Sicherungsmaßnahmen ausspähen. Bei Interesse (wertvolles Auto und geringe Sicherung) wird ein handgroßes Loch zum Durchfassen und Entriegeln des Tores gesetzt – schon ist das Auto weg. So können Diebe in kürzester Zeit ganze Höfe abarbeiten und mit vollen Autotransportern inklusive Beifang davonfahren. Solche Garagenhöfe sind also nicht gerade der sicherste Abstellplatz.

Poller

Ein vor beziehungsweise hinter dem Auto im Boden verankerter abnehmbarer Poller (Bild 5) (etwa Wolff Multiblocker) verhindert das ungewollte Wegbewegen des Autos.

  • In der Auffahrt blockiert der Poller sowohl das nahe Herankommen des Transportwagens der Diebe auf die Auffahrt als auch das Wegrollen (etwa auf Bodenrollern, Rangierhilfen) des Autos.
  • In der Garage direkt hinter dem Tor verhindert der Poller das Herausschieben oder -ziehen des Autos, aber auch – bedingt durch die geringe Garagenhöhe – das Herausheben per Kran.

Der massive Pollerfuß wird flach am Boden montiert. Der Pollerkopf wird im Fuß eingeklinkt und widersteht auch brutalen Hebel- und Zerrversuchen, etwa per Abschleppseil. Der gesamte Poller ist aus Metall und hat interne Sägeblockaden, ist also kaum kleinzukriegen. Das hat auch seinen Preis, ist aber garantiert günstiger als der Verlust des eigenen Schätzchens. Solange das Auto also in der geschlossenen Garage hinter dem Poller steht, ist es dort kaum wegzubekommen. Im Freien ist ein Poller jedoch wirkungslos gegen einen Hebekran, der das Auto über Poller und gegebenenfalls Zaun hinweg auf die Stellfläche des Abschleppwagens hebt.

Parkkralle

Die Parkkralle (Bild 6) wird außen an einem Rad des Fahrzeugs montiert und verhindert das Wegrollen und die Rad-Demontage. Sie ist günstig, leicht montierbar und gut von außen zu sehen (Abschreckung).
Wirkungslos gegen Kältespray, Bolzenschneider, Rangierhilfen oder einen Kran.

Lenkradkralle

Die Lenkradkralle (Bild 7) wird im Fahrzeug am Lenkrad befestigt und verhindert dessen Drehung. Mitunter wird sie auch zwischen Lenkrad und Pedalen eingespannt und verhindert sowohl das Drehen des Lenkrads als auch die Pedalbewegung. Wie die Parkkralle ist sie günstig, leicht montierbar und gut von außen zu sehen (Abschreckung). Beim R129 bietet sich hier die Blockade des Bremspedals an, da es – zumindest bei späteren Automatikgetrieben – zum Lösen des Wählhebels aus der Parkstellung getreten werden muss.
Wirkungslos gegen Kältespray, Bolzenschneider, Rangierhilfen oder einen Kran.

Getriebesperre

Die Getriebesperre (Bild 8) (etwa Bear-Lock) verhindert die Bewegung des Gangschalthebels. Sie wird innen im Fahrzeug fest am Getriebetunnel montiert und ist nur mit schwerem Werkzeug zu überwinden. Da sie von außen jedoch kaum sichtbar und damit nicht abschreckend ist, verhindert sie nicht den Einbruch ins Auto.
Wirkungslos gegen Rangierhilfen oder einen Kran.

Felgenschloss

Ein Felgenschloss wird außen an jedem Rad montiert und verhindert das Abmontieren und Mitnehmen des Rades. Es hat jedoch keinerlei (!) Wirkung gegen den Diebstahl des Autos und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Elektronische Sperren

Seit gut 30 Jahren wird immer mehr Elektronik in die Autos eingebaut, etwa Sicherheitssysteme (Antiblockiersystem, Airbag, Pre-Safe, …), Motorsteuergeräte mit Schnittstellen (OBDI, OBDII), Fahrwerkssysteme (ADS, …), Komfortelektronik (Sitze, Klima, Kombiinstrument, Displays, Musik, Internet, …) und weitere Komponenten. Neben dem offensichtlichen Mehrwert dieser Systeme können sie aber auch ausfallen, gefolgt von einer oft teuren Reparatur, oder sogar als Einfallstor für einen möglichen Diebstahl missbraucht werden.
Die folgenden Ansätze bauen auf den im Auto vorhandenen Komponenten auf beziehungsweise ergänzen sie und sichern das Fahrzeug damit besser gegen Diebstahl ab. Auch Außenkomponenten können hier helfen.

Beleuchtung/Überwachung

In der Nacht kann ein Dieb, geschützt durch die Dunkelheit, weitgehend unauffällig agieren. Das kann man durch eine nächtliche Beleuchtung von Auffahrt und Abstellplatz per Strahler [Bild 9], gegebenenfalls gekoppelt an einen Bewegungsmelder, mit geringem Aufwand abstellen und den Dieb abschrecken. Eine zusätzlich montierte Kamera [Bild 10] überwacht das Gelände und hilft sowohl bei der Abschreckung als auch bei der Erkennung möglicher Eindringlinge. Allerdings sind einige rechtliche (etwa Datenschutz) und technische (etwa Nachtaufnahme, Bildauflösung) Randbedingungen zu beachten und weitere Komponenten nötig (etwa Aufnahmespeicher), um eine Kamera auch sinnvoll einsetzen zu können und dürfen. Nur Abschreckung, außerdem wirkungslos bei Stromausfall und Laternenparkern.





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