Regelwartung

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Text: Klaus J. Eßer (G1/S7)

Das erste Thema da ist natürlich die Regelwartung. Im Werkstatthandbuch sind dazu wunderbare Formblätter - Arbeitsblatt genannt- zu finden, die privat gut zu gebrauchen sind. Man kann damit auch gut entscheiden, was man selber "kann", und was man besser der Werkstatt überlässt. Hier die Dokumente: Pflege bis 6.93, 7.93 bis 5.97, Wartung bis 6.93, 7.93 bis 5.97, Assyst (ab MJ 98) A und B. Beachten soll man dabei das und das und das auch. Damit lassen sich auch selbst erledigte Arbeiten schön dokumentieren. Ein paar ketzerische Gedanken zum Checkheft finden sich weiter unten… ;-)).

An dieser Stelle einige Überlegungen zu den Stempeln im Checkheft. Klar, wir sind auf dünnem Eis, aber watt mutt, datt mutt! Jeglicher Vermerk im Checkheft (wohl wegen der fälligen üppigen Schecks wird fälschlich immer wieder vom Scheckheft gesprochen und geschrieben) heißt für erfahrene Automenschen erst mal dringender Tatverdacht auf vermurkste Kerzengewinde, misshandelte Radschrauben und nicht selten üble, nie entdeckte Rostschäden. Egal, ob den Stempel ein Stern ziert, oder fett A-mateure T-reiben U-nfug verheißt, es macht wenig Unterschied. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Praxis lehrt, dass gerade (s)checkheftgepflege Autos häufig Schäden aufweisen, die wegen der vielen Stempel zunächst nicht vermutet werden und unerklärlich sind.

Regelwartung
Regelwartung Serviceblatt


Warum? "Inspektionen" haben die Profis zu Beginn eines Autolebens immer guten Willens gemacht, aber die lange Prüf-Liste ergab so gut wie nie einen Befund, der Eingriffe erforderte, und auch der Kunde war nur selten an Zusatzarbeiten interessiert. Man gewöhnte sich daran, wechselte und ersetzte routinemäßig das Verbrauchs- und Verschleißmaterial, füllte die übervolle Scheibenwaschanlage abermals mit was Teurem und fertig war ein hübscher Umsatz. Der wurde noch hübscher, wenn mit den Arbeiten nicht der teuerste (sorgfältigste) Mitarbeiter betraut wurde, der musste meist was Richtiges arbeiten. Der Kunde bekommt den ersehnten Stempel und seine Rechnung – die auch schon mal gerne 8 Kerzen für einen Sechszylinder enthält. Schlimmer ist, dass der Kunde sich nun sicher wähnt, die Stempel sehen wichtig aus, und sein Vehikel ist (s)checkheftgepflegt. Das kann alles völlig i.O. sein, muss aber nicht!

Die Stempel beweisen – auch mit Rechnung – erst mal wenig bis nix. Allenfalls sind sie zusammen(!) mit den HU/AU Berichten geeignet, die Plausibilität der angegebenen Laufleistung nachzuweisen. Und weil das so ist, braucht man sie im Grunde nicht! Was man braucht, ist ein geeigneter Nachweis (der allerbeste ist immer noch der wahre Zustand des Autos), dass alle Arbeiten, die die Zuverlässigkeit des Autos sicherstellen, ordentlich erledigt wurden und kein Wartungsstau besteht. Das hatten die Konstrukteure im Sinn, als sie die Inspektionspunkte gelistet haben. Der Umfang dieser Arbeiten wurde gemäss der erwarteten "mittleren" Nutzung festgelegt, und die Inspektionsintervalle sind Kompromisse, die für die Einkaufstasche und den Langstreckenfahrer passen müssen. An reine Spielzeuge und Liebhaber-Autos wurde dabei ohnehin nicht gedacht.

Zweckmäßig erteilt man in der Werkstatt statt des lapidaren "Inspektion bitte" einen gezielten Auftrag für den Wechsel von Betriebsstoffen und Verschleißteilen sowie für die Prüfungen, die man selber nicht vornehmen kann/will. Was dazu gehört, legt man an Hand der Positionen im Checkheft fest. Beim Daimler gibt es dazu die Inspektionspläne, nach denen auch der Monteur vorgeht. Da findet sich übersichtlich alles, was auch für Spiel-Autos wirklich nötig ist, und das, was man getrost weglassen kann, weil die Fahrleistung es nicht erfordert. Mit der jeweiligen Rechnung entsteht so eine aussagekräftige Dokumentation der Fahrzeugpflege. Ähnlich verfährt man mit den selber durchgeführten Arbeiten: im Inspektionsplan Befunde und Arbeiten festhalten und ggf. mit Rechnungen für Material belegen.

Wer eben kann, wird versuchen, bei den Arbeiten dabei zu sein, das schafft Respekt und Erfahrung. Sein Auto versteht man jedes Mal besser, und Spaß macht es auch. Mit solchem Vorgehen ist man oft bei kleinen nicht markengebundenen Betrieben bestens aufgehoben, sowie in der Werkstatt willkommen und gerne gesehen. Und preiswürdig ist es auch. Es kann dennoch lohnen, im Haus mit dem Stern auf dem Dach, das Gespräch zu suchen und ganz offen drüber zu reden, wie es um die Begeisterung für den R129 steht. Die Sensibilität für dieses Thema ist inzwischen da. Eine höfliche Frage nach Belegschaftsmitgliedern, die selber R129 hüten und die Zahl der aktuellen Stammkunden mit R129, erhellt die Lage und öffnet oft Tür und Herz für das schöne Auto und den besorgten Besitzer.


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