Winterschlaf

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Text & Foto: Karl-Heinz Hollas † (CR35/S88)


Nicht mehr lange und es kommt wieder die Zeit, dass die meisten von uns den geliebten Roadster in den Winterschlaf versetzen. Oft wird uns dann die Frage gestellt, was denn alles zu tun sei. Hier werden wir jetzt versuchen, dieses Thema ausgiebig zu beleuchten.

Eine gründliche Wagenwäsche inklusive des Unterbodens ist obligatorisch. Die Flächen und Ecken hinter den Türen, der Motorhaube, dem Koffer- und dem Tankdeckel säubern und trockenwischen. Jetzt geht es an den Innenraum. Beim Staubsaugen nach Möglichkeit keine „Ecken“ vergessen. Bei Bedarf könnten jetzt die Ledersitze mit einem entsprechenden Pflegemittel bearbeitet werden. Wer jetzt noch im Laufe der Saison festgestellt hat, dass die eine oder andere Innenleuchte oder Schalterbeleuchtung den Geist aufgegeben hat, sollte diese jetzt erneuern, um dann im Frühjahr ohne Bastelarbeit in die Saison zu starten.

Ein kleiner Tipp: Auf der letzten Fahrt nicht unbedingt die Klimaanlage betreiben. Im Verdampfer bildet sich beim Klimabetrieb relativ viel Kondenswasser, wir sehen dies an den kleinen Pfützen unter dem Fahrzeug, die sich durch das ablaufende Kondenswasser bilden. Stellt man den SL mit diesem nassen Verdampfer in die Garage, kann das unbehandelte Aluminium in aller Ruhe vor sich hin oxidieren und so den Verdampfer schädigen. Ein neuer Verdampfer ist recht teuer, insbesondere der Arbeitslohn ist sehr hoch, da etwa zwei Tage Arbeit zu Buche schlagen.

Motor

Hier sollte überlegt werden, den bevorstehenden Ölwechsel im Herbst vorzunehmen. Der Vorteil ist, dass der Motor mit frischem Öl ohne irgendwelche Schmutzpartikel überwintern kann. Ein sauberer Motor macht immer etwas her, also bei dieser Gelegenheit einmal mit einem Putzlappen dem Motor zu entsprechendem Glanz verhelfen.

Verdeck

Das Verdeck sollte nach Möglichkeit geschlossen werden, so behält es seine Spannung und bekommt keine Knicke durch die lange Lagerung im Verdeckkasten.

Batterie

Wer in der Garage einen Stromanschluss hat, der kann jetzt ein intelligentes Ladegerät an die Batterie anschließen. Wichtig hierbei ist, dass das Gerät über eine Ladeerhaltungsfunktion verfügen sollte. Hiermit kann das Ladegerät dauerhaft angeschlossen bleiben. Eine Grundvoraussetzung für den Einsatz eines solchen Gerätes ist eine vollständig geladene Batterie. Wer keinen Stromanschluss am Stellplatz hat, dem empfehlen wir, die Batterie auszubauen und an einem dunklen, nicht zu kaltem Raum (15 Grad Celcius sind ideal) zu lagern. Hin und wieder die Batterie kurz nachzuladen kann nicht schaden. Auch hier könnte das vorher angesprochene Ladegerät zum Einsatz kommen.

  • Abklemmen: zuerst den Minuspol lösen,
  • Anklemmen: zuerst den Pluspol anklemmen.

Die Oberseite der Batterie, die Polklemmen und die Anschlüsse sorgfältig mit Wasser und Natron reinigen, um Schmutz und Feuchtigkeit zu entfernen. Schmutzige oder feuchte Flächen begünstigen die Selbstentladung der Batterie.

Die Kontaktstücke der Batterie müssen sauber, trocken und leicht eingefettet sein, um sie gegen Korrosion zu schützen. Nach dem Einbau im Frühjahr müssen die Scheiben normiert werden, da ohne die Normierung das Verdeck nicht arbeitet. Wenn ESP vorhanden ist, muss auch das Lenkrad von einem Endanschlag zum anderen bewegt werden und nicht den Radiocode vergessen.

Reifen

Bei den Reifen gibt es die unterschiedlichsten Empfehlungen, einige favorisieren den Luftdruck auf 3,5 bis 4 bar zu erhöhen, andere lassen den Luftdruck so, wie er sein soll. Aber vertrauen wir hier mal auf die Ingenieure der Reifenentwicklung. Diese habe einige Empfehlungen, die wir unten preisgeben.

Wie entsteht ein Flatspot?

Wenn Reifen sich während der Fahrt (zum Beispiel Hochgeschwindigkeitsfahrt) erwärmen und/oder durch äußere Temperatureinflüsse erwärmt werden, kommt es in der nachfolgenden Abkühlphase (Stillstand) zu einer plastischen Verformung in der Reifenaufstandsfläche. Diese Verformung kann im Fahrbetrieb während der ersten Kilometer zu mehr oder weniger starken Vibrationen führen. Grundsätzlich ist die Größe eines Flatspots abhängig vom Fahrzeuggewicht, der Temperatur sowie der Standzeit. Das Reifenfabrikat spielt bei den modernen OE-Reifen (Original Equipment = Erstausrüstung) eine eher untergeordnete Rolle.

Ein dauerhafter (irreversibler) Flatspot kann durch den Einfluss von Wärmekammern (zum Beispiel Lackierbox) oder beim Langzeit- Parken unter klimatisch extremen Bedingungen entstehen. Derartige Verformungen bilden sich nur noch bis zu einem gewissen Grad zurück.

Standplatten (Flatspots) lassen sich durch Auswuchten der Laufräder nicht beseitigen, da es sich dabei grundsätzlich um erhöhte Radialkraftschwankungen und nur zu einem geringen Anteil um Wuchtfehler handelt! Standplatten, die durch lange Standzeiten >1 Monat entstehen, können sich unter bestimmten Voraussetzungen wieder zurückbilden.

  • Um Standplatten bei längerer Standzeit zu vermeiden, sollte das Fahrzeug mindestens einmal im Monat um 0,5 bis 1 Meter (120° Raddrehung) versetzt werden.
  • Erhöhen des Luftdrucks während der Standzeit bewirkt eine schlechtere Rückbildungsfähigkeit der Standplatten.


Als letztes kann man einen Pyjama über den SL ziehen, so bleibt er sauber und im Frühjahr kann man zur ersten Ausfahrt auf ein sauberes Fahrzeug zurückgreifen.



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