Systeme Fahrwerk übergreifend
Sicherheit im Automobil - Aktive Sicherheit
von CR31/S98
Soll ich oder soll ich mich nicht dem Airbag nähern?
von kje (G2/S28)
Ja, die Luftsäcke…, Grund für so manche Mär, die hier entzaubert wird. Zunächst ist es so, dass nur ausgebildete Mitarbeiter an den Dingern fummeln dürfen. Das gilt für Werkstätten. Daheim in der Garage, ist jedermann befugt, aber auch selber verantwortlich!!! Hier mein uralter Beitrag aus der 107 Klassik, der das Thema erhellt…
Um den Airbag rankt sich viel Mär…,
die sich immer hinter dem Totschlagargument Sicherheit verbarrikadiert. Es ist nur ein Stück Technik, nicht mal sehr kompliziert. Wichtig ist allein immer (!!!) daran zu denken, daß in den Dingern rabiate Kräfte lauern, die dem naiv unvorsichtigen nach dem Leben trachten*. Frauen sind eindeutig gefährlicher weil unberechenbar, aber (fast) jeder läßt sich bedenkenlos mit denen ein ;-)).
Von diesen Erkenntnissen erhellt, nähern wir uns tapfer der faustischen Frage "to airbag or not to airbag???"
Die, die einen haben (in EU je nach MJ bis zu ca. 20%, in US ab MJ 86 100%), fragen sogleich nach Wartung und ggf. Ersatz. Genährt von wichtig aussehenden Aufklebern, die den Austausch nach 10 Jahren empfahlen (später ohne viel Federlesen auf 15 Jahre verlängert), nagt der Zweifel an der Funktionsfähigkeit der ollen Säcke. Bei Männern kontinuierlich überprüfbar, bei Airbags nur einmal! ;-))
Der Verfasser hat gewisse Kenntnis über die Philosophie bei der Auslegung, Fertigung und Prüfung der in unseren Autos verbauten (Airbag)-Komponenten. Im vollen Bewusstsein, dass es letztlich eine Glaubensfrage bleibt - niemand lässt sich haftbar machen - kann man (ich) sagen: Damals galt auch beim Zulieferer die Maxime: "das Beste ist gerade gut genug!" Ist das heute immer noch gut? JA!!! Warum?
Die elektrischen Bauteile wurden nach bewährten MIL Spezifikationen gewählt, die Kabelei und Steckerei war traditionell sehr gut (versilberte Kontakte usw.), und die ganze Mimik prüft sich mit dem Einschalten der Zündung kontinuierlich selbst. Die, die schon mal die rote Störungslampe sahen, werden bestätigen, dass dies in 99,9% der Fälle der verdreckte Schleifring unterm Lenkrad und nur ganz selten mal im Beifahrerfußraum der Sicherheitsstecker war. Ausfälle der Auslöseelektronik sind mir nur sehr wenige bekannt. Elektronikbedingte Fehlauslösungen sind m.W. nie vorgekommen, in den wenigen bekannten Fällen waren immer Manipulationen oder grober Unfug (schwere Hämmer und dicke Schweißapparte, usw.) die Ursache. Man darf annehmen, dass die Elektronik auch auf längere Sicht stabil ist und sich im Störungsfall selber meldet. Das statistisch unvermeidliche Restrisiko entspricht dem des gebrochenen Fingers in der Nase.
Das textile Gewirke für den Sack wurde auf der Basis langjähriger Erfahrung mit technischen Kunstfasern spezifiziert und geprüft, das Ergebnis ist überzeugend: o.B. ! Allein bei der Chemie des Gasgenerators betrat man Neuland, da die Langzeit-Erfahrungen mit „langsamen“ Explosivstoffen nicht direkt übertragbar sind. Versuche beim Hersteller (früher Bayernchemie…, heute TRW) vor ca. 12 Jahren bewiesen, dass auch die allerersten Serienmuster aus 1980 fehlerfrei funktionieren. Die PU-geschäumte Abdeckung im Lenkrad leidet, wenn (offene) Autos sehr lange hohen Temperaturen und UV Strahlung ausgesetzt sind, wobei die Sollbruchstellen manchmal feine und auch gröbere Risse entwickeln. Eindringende Säfte könnten theoretisch das Gewebe des Sacks und bei Flutung den Gasgenerator schädigen, Versagensfälle sind nicht bekannt und kaum zu erwarten.
Bei so viel Qualität, sollte man denken, dass das Werk dies freudig kundtut, und sich schämt, den besorgten Kunden für satte Beträge neue Airbags zu verkaufen. Diese Annahme ist naiv, denn unsere Welt wird nicht (mehr) vom Verstand der Ingenieure, sondern den Bedenken (und Interessen) der Rechtsgelehrten regiert. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, außer der überlegten Entscheidung des kundigen Individuums…! Fazit: Risiken nicht erkennbar, Austausch bei derzeitiger Erkenntnislage unnötig, so einfach ist das. Ich halte dafür, daß dies aus technischer Sicht die nächsten 10 Jahre auch so bleibt. (Inzwischen sind werksseitig alle in den R129 verbauten Airbags für „unendliche“ Nutzungdauer frei gegeben)
Die, die keinen haben, denken gern mal an Nachrüstung. Technisch problemlos machbar, aber aufwendig, u.A. muß das Mantelrohr erneuert werden (vier Schleifringe statt zwei!). Mit etwas Umsicht und gebrauchten Teilen (auch von zeitgenössischen 201/124/126/129) sind die gemopften Autos ab MJ 1986 (Gurtstraffer sind schon verbaut) zu überschaubaren Kosten aufzurüsten, wenn man sich selber helfen kann. Profis werden aus Haftungs- und Kostengründen die Finger davon lassen. Vor etwa 12 Jahren gab es für die damals aktuellen Baureihen und die gemopften R/C 107 werksseitige Nachrüstsätze mit einem (zu kleinen und häßlichen) Einheitslenkrad. Die Teilekosten für den 107 waren <2k DM! Natürlich längst vergriffen, und ich weis nur von zwei tatsächlichen Nachrüstungen, denn die Arbeitskosten lagen in ähnlicher Größenordnung. Anleitung im WHB Gruppe 91.8.
Vor-Mopf Autos haben (wie die W116 und frühe 201, 124, 126) serienmäßig eine aufwendigere Elektrik mit separatem Energiespeicher (Kondensator) und bis ca. 1984 sogar einen "dicken" Airbag. Das "wie in der Serie" nachzurüsten macht noch mehr Mühe. Bastellösungen verbieten sich für ein Auto, das seinen Wert (und Reiz) behalten soll.
Bleibt die Frage, ob ein Airbag im zum Spaß genutzten 107 eine objektive Steigerung der Sicherheit bietet und den (jeden) Aufwand rechtfertigt? Wie immer hängt es davon ab, wer fährt! Ist es die Liebste, wird man(n) größten Wert darauf legen, dass sie nach einem Störfall noch so aussieht wie vorher, und da hat der Airbag unstreitig hohes Potential – wenn der crash denn passend geschieht. Dazu gibt es Statistiken, die ich nicht parat habe, aber es ist nur ein Bruchteil der realen Unfallsituationen!!!
Bei den wirklich gefährlichen Seitencrashs oder den frontalen mit geringer Überdeckung ist der 107er Airbag nur teilweise wirksam und der Beifahrer knallt eh erst in den Gurt und ggf. auf die damals so fortschrittlich nachgiebige I-Tafel…!!! Der Wirkungsgrad ist also nicht sooo überwältigend, wobei diese Überlegung durch verlorene Schneidezähne oder ondulierte Nasenbeine und gespaltene Lippen sogleich relativiert werden kann! Hölzerne Gesimse am Ruderrad und der I-Tafel sollte man(n) ohne Airbag kritisch überdenken!
Es bleibt allein die ganz persönliche Entscheidung des 107 Freundes, was er tut, und es ist ein feines Beispiel dafür, dass ganz am Ende jeder selbst verantwortlich ist. Das gibt Stärke, und am stärksten ist (wird) man(n), wenn er und seine Gespielin erst mal die im Auto vorhanden Schutzmechanismen richtig anwenden. Das heisst konsequent den Gurt tragen: am Körper eng anliegend, ohne störende Bekleidung (nicht nur die Damen!) und die Sitzposition für die Statur richtig wählen. Direkt danach kommt die bestimmungsgemäße Verwendung der Vorrichtung zwischen den Ohren bei der Kontrolle der Fuhre.
Man wird feststellen, dass dieses einfache oft längst vergesse Verfahren eine Menge Sicherheit schafft und das Erlebnis 107 reizvoll verstärkt. Man(n) sollte sich davon lösen im Spielzeug 107 Verhältnisse wie im zeitgenössischen "Computer mit dem man auch Auto fahren kann" zu erwarten oder einrichten zu wollen. Dazu gehört durchaus auch der Verzicht auf moderne Jubelelektronik und u.U. auch die gewollte Nichtnutzung von GSM und GPS. Lupenrein praktizieren wird so was nicht mal ein Taliban, aber als Philosophie ist es recht leistungsfähig!
Wer daran arbeiten will, muss nur wenige Regeln verinnerlichen:
- Batterie abklemmen, ggf. roten Sicherheitsstecker im Beifahrerfußraum ziehen (bei Autos mit separatem Energiespeicher <MJ 85)
- Hunde, Katzen, Frauen wegsperren – verständige Knaben dürfen zusehen (jemand muss ggf den Notarzt rufen)
- Nicht all zu viel Statik einfangen (Teppich, Gummisohlen)** und das Ding nicht (viel) höher als 50 cm fallen lassen!
- Bei der Arbeit den Airbag auf dem Rücken und zugangsgesichert ablegen (Kofferraum)
- Wenn alles vorbei ist, die Zwei- und Vierbeiner wieder frei lassen.
Generell gilt, daß man das Ding nicht verziert (schon gar nicht mit einem metallischen Stern oder so was!), sondern so lässt, wie Gott es schuf und scharfe Essenzen von der PU-Abdeckung fern hält.
- Die Zündpille kann theoretisch durch statische Elektrizität losgehen. Dagegen ist konstruktiv eine Kurzschlußbrücke im Stecker vorgesehen, die mit Abziehen des Kabels wirksam wird. Wer sicher gehen will, schlurft vor der Arbeit nicht im Nyltesthemd mit Gummisohlen auf Kunstfaserteppich rum. Ganz sicher wird es, wenn man einen flexiblen Erddraht (Wasserleitung) mit ins Auto nimmt und vor den Manipulationen noch mal innig ans Herz drückt.