Sitzfunktionen: Unterschied zwischen den Versionen

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==Der Sitz, der sich nicht mehr bewegt ...==
==Der Sitz, der sich nicht mehr bewegt ...==
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von Felix Mühlhäuser
Text & Fotos: Felix Mühlhäuser (CR39/Seite 106)
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Dieser Preis war es mir aber wert, zumindest zu versuchen, das Bedienelement selbst zu reparieren. Die Tatsache, dass ich nun einen Artikel zudiesem Thema geschrieben habe, zeugt davon, dass die Reparatur erfolgreich war.  
Es war bei einer sonnigen Ausfahrt in der letzten Saison, als der Beifahrersitz sich plötzlich nicht mehr bewegte – genauer gesagt, funktionierte die Neigungsverstellung der Sitzfläche nicht mehr. Einigen R129-Fahrern dürfte das Problem bekannt vorkommen, es kann für jede der Sitzverstellfunktionen (vor, zurück,Lehne etc.) gleichermaßen geschehen.
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So machte ich mich in der Saisonpause im Winter auf die Suche. An was könnte es nun liegen? Die Ursachen könnten hier vielfältig sein. Ich hatte schon schlimmste Befürchtungen, dass der Spindelmechanismus der Sitzverstellung oder gar ein Stellmotor defekt sind. Auch ein Defekt am Steuergerät, das jeweils direkt unter den Sitzpolstern sitzt, hätte die Ursache sein können, und das würde dann richtig teuer. In den allermeisten Fällen liegt es aber an keinem der genannten Bauteile – die Stellmotoren sind ziemlich robust, und das Steuergerät macht nur nach großen Spannungsschwankungen Probleme.
Im Folgenden werden die Schritte dazu beschrieben. Vorerst muss das Bedienelement natürlich ausgebaut werden. Hierbei ist ein wenig Gefühl erforderlich, um die empfindliche Wurzelholzverkleidung nicht zu beschädigen. Schäden, die bei falscher Vorgehensweise entstehen können, sind in '''Bild 2''' zu sehen. Hier ist das Wurzelholz an der oberen Kante beschädigt, vermutlich weil hier einst ein Vorgänger gehebelt hatte – ich hoffe nicht, dass es eine Mercedes-Benz Werkstatt war.
 
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Häufig liegt es aber wieder einmal an einer kleinen, aber feinen Schwachstelle unserer R129. In meinem Fall lag der Defekt nur auf der Beifahrerseite vor, auf der bei mir keine Memory-Funktion vorhanden ist. Das Vorhandensein einer Memory-Funktion spielt hier aber keine weitere Rolle, das Problem kann bei Standard- und Sonderausstattung gleichermaßen vorliegen und kann gemäß nachfolgendem Schema behoben werden.
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Nachdem ich mich mit den Schaltplänen und den Prüfprogrammen aus dem WIS beschäftigt hatte und einige Spannungs- und Widerstandsmessungen mit dem Multimeter vorgenommen hatte, war die Ursache des Problems eingegrenzt – es konnte nur am Bedienelement für die Sitzverstellung liegen, das in der Tür unter dem Türgriff verbaut ist.
 
Um die genaue Ursache direkt vorwegzunehmen: Es waren sogenannte kalte Lötstellen auf der Platine des Bedienelements der Sitzverstellung in der Tür. Durch die ständige Erschütterung beim Schließen der Türen brechen die Lötstellen. Hierbei genügen schon Haarrisse, so dass das Bedienelement nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert.
 
Nun ist es zum einen möglich, das Bedienelement als Ganzes zu ersetzen. Nach meiner Recherche kostet das Bedienelement ohne Memory-Funktion für die Beifahrerseite beim Mercedes-Benz Händler aktuell rund 310 Euro. Auch gebraucht ist das Teil im Internet nur jenseits der 150 Euro erhältlich.
 
Dieser Preis war es mir aber wert, zumindest zu versuchen, das Bedienelement selbst zu reparieren. Die Tatsache, dass ich nun einen Artikel zudiesem Thema geschrieben habe, zeugt davon, dass die Reparatur erfolgreich war. Im Folgenden werden die Schritte dazu beschrieben.
 
Vorerst muss das Bedienelement natürlich ausgebaut werden. Hierbei ist ein wenig Gefühl erforderlich, um die empfindliche Wurzelholzverkleidung nicht zu beschädigen. Schäden, die bei falscher Vorgehensweise entstehen können, sind in '''Bild 2''' zu sehen. Hier ist das Wurzelholz an der oberen Kante beschädigt, vermutlich weil hier einst ein Vorgänger gehebelt hatte – ich hoffe nicht, dass es eine Mercedes-Benz Werkstatt war.
 
Bei allen Arbeiten an den teils geklipsten Teilen sollten bitte keine Schraubenzieher zum Abhebeln verwendet werden, sondern nur dafür vorgesehene Demontage-Werkzeuge (Zierleistenkeile) aus Plastik, die die Bauteile nicht verkratzen.
Bei allen Arbeiten an den teils geklipsten Teilen sollten bitte keine Schraubenzieher zum Abhebeln verwendet werden, sondern nur dafür vorgesehene Demontage-Werkzeuge (Zierleistenkeile) aus Plastik, die die Bauteile nicht verkratzen.
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Zuerst wird der Bedienhebel für die Zentralverriegelung entfernt, der sich direkt neben dem Türgriff befindet. Der Hebel ist lediglich gesteckt und kann herausgezogen werden. Dabei kann man etwas nachhelfen, indem man mit einem Zierleistenkeil aus Plastik vorsichtig versucht, den Zentralverriegelungshebel auszuhebeln.  
Zuerst wird der Bedienhebel für die Zentralverriegelung entfernt, der sich direkt neben dem Türgriff befindet. Der Hebel ist lediglich gesteckt und kann herausgezogen werden. Dabei kann man etwas nachhelfen, indem man mit einem Zierleistenkeil aus Plastik vorsichtig versucht, den Zentralverriegelungshebel auszuhebeln.  
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Dann wird die kleine Wurzelholzblende '''(Bild 1)''', die direkt hinter dem Türgriff sitzt, entfernt. Wenn man am Türgriff zieht, ist mehr Platz zur Arbeit an der kleinen Wurzelholzblende. Diese kleine Blende steht an der unteren Seite leicht über dem darunterliegenden Bedienelement hervor. Man greift vorsichtig unter diese untere Kante, die kleine Blende löst sich dann von selbst.
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Dann wird die kleine Wurzelholzblende '''(Bild 1)''', die direkt hinter dem Türgriff sitzt, entfernt. Wenn man am Türgriff zieht, ist mehr Platz zur Arbeit an der kleinen Wurzelholzblende. Diese kleine Blende steht an der unteren Seite leicht über dem darunterliegenden Bedienelement hervor. Man greift vorsichtig unter diese untere Kante, die kleine Blende löst sich dann von selbst. Dahinter verbirgt sich eine weitere Blendenleiste '''(Bild 1)''', teils aus Metall, teils aus Plastik, die lediglich mit einer Kreuzschlitzschraube befestigt ist. Diese Kreuzschlitzschraube, die direkt hinter dem Türgriff sitzt, wird gelöst und die Blende entfernt.
Dahinter verbirgt sich eine weitere Blendenleiste '''(Bild 1)''', teils aus Metall, teils aus Plastik, die lediglich mit einer Kreuzschlitzschraube befestigt ist. Diese Kreuzschlitzschraube, die direkt hinter dem Türgriff sitzt, wird gelöst und die Blende entfernt.
 
Nun hat man das Wurzelholzbedienelement der Sitzverstellung schon freigelegt, um es letztlich herauszunehmen. Hierzu greift man von oben (hinter dem Türgriff) hinter die Blende und hebelt zusätzlich mit dem Zierleistenkeil an der vorderen Kante des Wurzelholzelements (also an der Kante, neben der der Lautsprecher sitzt) vorsichtig heraus. Nun kann man das Wurzelholzelement an der vorderen Kante greifen und nach vorne langsam herausziehen. Es sollte keinesfalls an der hinteren Kante gehebelt werden, denn hier sitzen Klipse, die sonst abbrechen.
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Dann werden die Stecker der Verkabelung vom Bedienelement gelöst (je nach Ausführung zwischen ein und drei Stecker). Das Bedienelement ist nun für die weitere Reparatur ausgebaut '''(Bilder 2,3 und 4)'''.
Nun hat man das Wurzelholzbedienelement der Sitzverstellung schon freigelegt, um es letztlich herauszunehmen. Hierzu greift man von oben (hinter dem Türgriff) hinter die Blende und hebelt zusätzlich mit dem Zierleistenkeil an der vorderen Kante des Wurzelholzelements (also an der Kante, neben der der Lautsprecher sitzt)
 
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vorsichtig heraus. Nun kann man das Wurzelholzelement an der vorderen Kante greifen und nach vorne langsam herausziehen. Es sollte keinesfalls an der hinteren Kante gehebelt werden, denn hier sitzen Klipse, die sonst abbrechen. Dann werden die Stecker der Verkabelung vom Bedienelement gelöst (je nach Ausführung zwischen ein und drei Stecker). Das Bedienelement ist nun für die weitere Reparatur ausgebaut '''(Bilder 2,3 und 4)'''.
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Nun wird das eigentliche Sitzbedienelement aus Plastik von der Wurzelholzblende getrennt, indem die drei größeren Kreuzschlitzschrauben auf der Rückseite des Elements gelöst werden '''(Bild 3)'''.
Nun wird das eigentliche Sitzbedienelement aus Plastik von der Wurzelholzblende getrennt, indem die drei größeren Kreuzschlitzschrauben auf der Rückseite des Elements gelöst werden '''(Bild 3)'''.
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Spätestens ab hier sollte in einer sauberen und hellen Umgebung gearbeitet werden, da die Bauteile klein sind und sonst verloren gehen können. Im Folgenden muss das Bedienelement geöffnet werden, damit die Platine im Inneren sichtbar wird. Dazu wird zuerst der kleine Knopf für die Verstellung der Kopfstütze abgezogen. Nun muss die schwarze vordere Seite mit den Tasten aus dem grauen Gehäuse gehoben werden '''(Bild 5)'''.
Spätestens ab hier sollte in einer sauberen und hellen Umgebung gearbeitet werden, da die Bauteile klein sind und sonst verloren gehen können. Im Folgenden muss das Bedienelement geöffnet werden, damit die Platine im Inneren sichtbar wird. Dazu wird zuerst der kleine Knopf für die Verstellung der Kopfstütze abgezogen. Nun muss die schwarze vordere Seite mit den Tasten aus dem grauen Gehäuse gehoben werden '''(Bild 5)'''.
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Dieser Teil der Reparatur ist wohl der langwierigste, da die schwarze Vorderseite in das graue Gehäuse eingeklipst ist und nur schwer zum Herausziehen gegriffen werden kann. Es gibt leider keinen Trick dazu – das graue Gehäuse muss rundherum vorsichtig nach außen gebogen werden, damit die Plastiknasen der schwarzen Vorderseite
Dieser Teil der Reparatur ist wohl der langwierigste, da die schwarze Vorderseite in das graue Gehäuse eingeklipst ist und nur schwer zum Herausziehen gegriffen werden kann. Es gibt leider keinen Trick dazu – das graue Gehäuse muss rundherum vorsichtig nach außen gebogen werden, damit die Plastiknasen der schwarzen Vorderseite
frei werden.
frei werden.
Beim Herausziehen der schwarzen Vorderseite ist große Vorsicht geboten, da sich im Inneren des Elements jeweils zwei winzige Federn und Stifte befinden '''(Bild 6)''', die dafür sorgen, dass die Tasten immer wieder in ihre Ausgangsposition gleiten. Sie können beim Herausheben des schwarzen Vorderteils aus dem grauen Gehäuse herausfallen.
Eine Feder und ein Stift sitzen hierbei im hohlen Dorn des mittleren der unteren drei Schalter (diejenigen für die Sitzverstellung vor und zurück), und die andere Feder und der andere Stift sitzen im hohlen Dorn des Schalters für die Sitzlehne '''(Bild 7)'''. Die Feder sitzt jeweils unter dem Stift, und die abgerundete Seite des Stifts zeigt nach oben. Wenn die Stifte und Federn verloren gehen, sitzen die Bedientasten nicht mehr fest.
Nach dem Herausheben des schwarzen vorderen Teils ist die grüne Platine mit den Lötstellen und Leiterbahnen sichtbar '''(Bild 7)'''. Bei genauem Hinsehen kann man bei defekten Bedienelementen die sogenannten kalten Lötstellen erkennen.
Hierbei haben sich die Pins des Steckers durch Erschütterungen marginal aus dem Lötpunkt gelöst – die entsprechende Sitzverstellungsfunktion, die auf dem jeweiligen Pin sitzt, funktioniert dann nicht mehr.
Zur Behebung des Problems werden die alten Lötpunkte mit dem Lötkolben leicht erhitzt und mit frischem Lötzinn nachgelötet. Hierbei sollte man darauf achten, dass das Lötzinn Flussmittel enthält, damit es gut in die Risse einfließen kann. Da ich nicht nachgeforscht habe, welche Lötstelle für welche defekte Sitzfunktion verantwortlich ist, habe ich alle Lötstellen vorsorglich nachgelötet.
Generell soll darauf verwiesen sein, dass das vorsorgliche Nachlöten aller Lötstellen auch an funktionierenden Sitzbedienelementen vorgenommen werden kann, ich bleibe aber gerne beim Grundsatz „never change a running system“.
In den meisten Fällen dürften die Sitzfunktionen nach dieser Reparatur wieder gegeben sein. Defekte an Stellmotoren, Sitzsteuergeräten oder am Kabelbaum können aber, wie erwähnt, in selteneren Fällen auch die Ursache sein. Der Einbau des Bedienelements funktioniert in umgekehrter Reihenfolge.
Ich hoffe, mit dieser Reparaturanleitung Clubmitgliedern mit ähnlichen Problemen eine mögliche Lösung bieten zu können – unter dem Gedanken, nicht immer alles nur zu ersetzen, sondern auch mal simpel zu reparieren, vor allem mit Blick in die Zukunft mit eher schlechterer Ersatzteilversorgung.


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Version vom 29. Juli 2023, 13:44 Uhr

Der Sitz, der sich nicht mehr bewegt ...


Text & Fotos: Felix Mühlhäuser (CR39/Seite 106)

Es war bei einer sonnigen Ausfahrt in der letzten Saison, als der Beifahrersitz sich plötzlich nicht mehr bewegte – genauer gesagt, funktionierte die Neigungsverstellung der Sitzfläche nicht mehr. Einigen R129-Fahrern dürfte das Problem bekannt vorkommen, es kann für jede der Sitzverstellfunktionen (vor, zurück,Lehne etc.) gleichermaßen geschehen.

So machte ich mich in der Saisonpause im Winter auf die Suche. An was könnte es nun liegen? Die Ursachen könnten hier vielfältig sein. Ich hatte schon schlimmste Befürchtungen, dass der Spindelmechanismus der Sitzverstellung oder gar ein Stellmotor defekt sind. Auch ein Defekt am Steuergerät, das jeweils direkt unter den Sitzpolstern sitzt, hätte die Ursache sein können, und das würde dann richtig teuer. In den allermeisten Fällen liegt es aber an keinem der genannten Bauteile – die Stellmotoren sind ziemlich robust, und das Steuergerät macht nur nach großen Spannungsschwankungen Probleme.

Häufig liegt es aber wieder einmal an einer kleinen, aber feinen Schwachstelle unserer R129. In meinem Fall lag der Defekt nur auf der Beifahrerseite vor, auf der bei mir keine Memory-Funktion vorhanden ist. Das Vorhandensein einer Memory-Funktion spielt hier aber keine weitere Rolle, das Problem kann bei Standard- und Sonderausstattung gleichermaßen vorliegen und kann gemäß nachfolgendem Schema behoben werden.

Nachdem ich mich mit den Schaltplänen und den Prüfprogrammen aus dem WIS beschäftigt hatte und einige Spannungs- und Widerstandsmessungen mit dem Multimeter vorgenommen hatte, war die Ursache des Problems eingegrenzt – es konnte nur am Bedienelement für die Sitzverstellung liegen, das in der Tür unter dem Türgriff verbaut ist.

Um die genaue Ursache direkt vorwegzunehmen: Es waren sogenannte kalte Lötstellen auf der Platine des Bedienelements der Sitzverstellung in der Tür. Durch die ständige Erschütterung beim Schließen der Türen brechen die Lötstellen. Hierbei genügen schon Haarrisse, so dass das Bedienelement nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert.

Nun ist es zum einen möglich, das Bedienelement als Ganzes zu ersetzen. Nach meiner Recherche kostet das Bedienelement ohne Memory-Funktion für die Beifahrerseite beim Mercedes-Benz Händler aktuell rund 310 Euro. Auch gebraucht ist das Teil im Internet nur jenseits der 150 Euro erhältlich.

Dieser Preis war es mir aber wert, zumindest zu versuchen, das Bedienelement selbst zu reparieren. Die Tatsache, dass ich nun einen Artikel zudiesem Thema geschrieben habe, zeugt davon, dass die Reparatur erfolgreich war. Im Folgenden werden die Schritte dazu beschrieben.

Vorerst muss das Bedienelement natürlich ausgebaut werden. Hierbei ist ein wenig Gefühl erforderlich, um die empfindliche Wurzelholzverkleidung nicht zu beschädigen. Schäden, die bei falscher Vorgehensweise entstehen können, sind in Bild 2 zu sehen. Hier ist das Wurzelholz an der oberen Kante beschädigt, vermutlich weil hier einst ein Vorgänger gehebelt hatte – ich hoffe nicht, dass es eine Mercedes-Benz Werkstatt war.

Bei allen Arbeiten an den teils geklipsten Teilen sollten bitte keine Schraubenzieher zum Abhebeln verwendet werden, sondern nur dafür vorgesehene Demontage-Werkzeuge (Zierleistenkeile) aus Plastik, die die Bauteile nicht verkratzen.

obere Holz-Verkleidung, Verriegelungsschalter und Haltebügel (Bild 1)
untere Holz-Verkleidung mit Sitzschalter (Bild 2)
untere Holz-Verkleidung Rückseite mit Steckeranschlüssen (Bild 3)

Zuerst wird der Bedienhebel für die Zentralverriegelung entfernt, der sich direkt neben dem Türgriff befindet. Der Hebel ist lediglich gesteckt und kann herausgezogen werden. Dabei kann man etwas nachhelfen, indem man mit einem Zierleistenkeil aus Plastik vorsichtig versucht, den Zentralverriegelungshebel auszuhebeln.

Türverkleidung ohne Sitzschalter (Bild 4)
Schalterelement ohne Verkleidung (Bild 5)

Dann wird die kleine Wurzelholzblende (Bild 1), die direkt hinter dem Türgriff sitzt, entfernt. Wenn man am Türgriff zieht, ist mehr Platz zur Arbeit an der kleinen Wurzelholzblende. Diese kleine Blende steht an der unteren Seite leicht über dem darunterliegenden Bedienelement hervor. Man greift vorsichtig unter diese untere Kante, die kleine Blende löst sich dann von selbst.
Dahinter verbirgt sich eine weitere Blendenleiste (Bild 1), teils aus Metall, teils aus Plastik, die lediglich mit einer Kreuzschlitzschraube befestigt ist. Diese Kreuzschlitzschraube, die direkt hinter dem Türgriff sitzt, wird gelöst und die Blende entfernt.

Nun hat man das Wurzelholzbedienelement der Sitzverstellung schon freigelegt, um es letztlich herauszunehmen. Hierzu greift man von oben (hinter dem Türgriff) hinter die Blende und hebelt zusätzlich mit dem Zierleistenkeil an der vorderen Kante des Wurzelholzelements (also an der Kante, neben der der Lautsprecher sitzt) vorsichtig heraus. Nun kann man das Wurzelholzelement an der vorderen Kante greifen und nach vorne langsam herausziehen. Es sollte keinesfalls an der hinteren Kante gehebelt werden, denn hier sitzen Klipse, die sonst abbrechen.
Dann werden die Stecker der Verkabelung vom Bedienelement gelöst (je nach Ausführung zwischen ein und drei Stecker). Das Bedienelement ist nun für die weitere Reparatur ausgebaut (Bilder 2,3 und 4).

Nun wird das eigentliche Sitzbedienelement aus Plastik von der Wurzelholzblende getrennt, indem die drei größeren Kreuzschlitzschrauben auf der Rückseite des Elements gelöst werden (Bild 3).

Schaltkontakte mit Federn (Bild 6)
Schalterplatine mit Schaltelementen (Bild 7)

Spätestens ab hier sollte in einer sauberen und hellen Umgebung gearbeitet werden, da die Bauteile klein sind und sonst verloren gehen können. Im Folgenden muss das Bedienelement geöffnet werden, damit die Platine im Inneren sichtbar wird. Dazu wird zuerst der kleine Knopf für die Verstellung der Kopfstütze abgezogen. Nun muss die schwarze vordere Seite mit den Tasten aus dem grauen Gehäuse gehoben werden (Bild 5).

Dieser Teil der Reparatur ist wohl der langwierigste, da die schwarze Vorderseite in das graue Gehäuse eingeklipst ist und nur schwer zum Herausziehen gegriffen werden kann. Es gibt leider keinen Trick dazu – das graue Gehäuse muss rundherum vorsichtig nach außen gebogen werden, damit die Plastiknasen der schwarzen Vorderseite frei werden.

Beim Herausziehen der schwarzen Vorderseite ist große Vorsicht geboten, da sich im Inneren des Elements jeweils zwei winzige Federn und Stifte befinden (Bild 6), die dafür sorgen, dass die Tasten immer wieder in ihre Ausgangsposition gleiten. Sie können beim Herausheben des schwarzen Vorderteils aus dem grauen Gehäuse herausfallen.

Eine Feder und ein Stift sitzen hierbei im hohlen Dorn des mittleren der unteren drei Schalter (diejenigen für die Sitzverstellung vor und zurück), und die andere Feder und der andere Stift sitzen im hohlen Dorn des Schalters für die Sitzlehne (Bild 7). Die Feder sitzt jeweils unter dem Stift, und die abgerundete Seite des Stifts zeigt nach oben. Wenn die Stifte und Federn verloren gehen, sitzen die Bedientasten nicht mehr fest.

Nach dem Herausheben des schwarzen vorderen Teils ist die grüne Platine mit den Lötstellen und Leiterbahnen sichtbar (Bild 7). Bei genauem Hinsehen kann man bei defekten Bedienelementen die sogenannten kalten Lötstellen erkennen.

Hierbei haben sich die Pins des Steckers durch Erschütterungen marginal aus dem Lötpunkt gelöst – die entsprechende Sitzverstellungsfunktion, die auf dem jeweiligen Pin sitzt, funktioniert dann nicht mehr.

Zur Behebung des Problems werden die alten Lötpunkte mit dem Lötkolben leicht erhitzt und mit frischem Lötzinn nachgelötet. Hierbei sollte man darauf achten, dass das Lötzinn Flussmittel enthält, damit es gut in die Risse einfließen kann. Da ich nicht nachgeforscht habe, welche Lötstelle für welche defekte Sitzfunktion verantwortlich ist, habe ich alle Lötstellen vorsorglich nachgelötet.

Generell soll darauf verwiesen sein, dass das vorsorgliche Nachlöten aller Lötstellen auch an funktionierenden Sitzbedienelementen vorgenommen werden kann, ich bleibe aber gerne beim Grundsatz „never change a running system“.

In den meisten Fällen dürften die Sitzfunktionen nach dieser Reparatur wieder gegeben sein. Defekte an Stellmotoren, Sitzsteuergeräten oder am Kabelbaum können aber, wie erwähnt, in selteneren Fällen auch die Ursache sein. Der Einbau des Bedienelements funktioniert in umgekehrter Reihenfolge.

Ich hoffe, mit dieser Reparaturanleitung Clubmitgliedern mit ähnlichen Problemen eine mögliche Lösung bieten zu können – unter dem Gedanken, nicht immer alles nur zu ersetzen, sondern auch mal simpel zu reparieren, vor allem mit Blick in die Zukunft mit eher schlechterer Ersatzteilversorgung.


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Ausfall Sitzverstellung und Sitzheizung


von Text und Fotos: Günter Klement, RT Schwäbisch Gmünd und Karl Kübler, RT Heilbronn (CR37/S29)

Nach der Winterpause funktionierte die Sitzverstellung (beider Sitze) nur noch bei geöffneten Türen. Das Gleiche galt für die Sitzheizung. Da ich den Fehler nicht fand, wendete ich mich an Karl Kübler (Oppenweiler Garage) und bekam dann über Konrad Engelhardt den richtigen Tipp. Diese Systemfunktionen sind über zwei Sicherungen abgesichert.

Also ersetzte ich die betreffenden Sicherungen Nr. 4 und 12.

Wichtig: Batterie vorher abklemmen! Und siehe da, die Fehler waren behoben!

01 Sicherungskasten Vorbau Fahrtrichtung links
01 Sicherungskasten Vorbau Fahrtrichtung links
02 Sicherungskasten geöffnet
02 Sicherungskasten geöffnet
  • Damit sowas nicht mehr passieren kann, wurden sämtliche Sicherungen ausgebaut, die Klemmkontakte mit einer kleinen Messingdrahtbürste gereinigt und neue Sicherungen, falls nötig, eingesetzt.
  • Zum Abschluss noch eine kleine Dusche mit Elektrokontaktspray.
  • Damit hoffe ich für die nächsten 30 Jahre von solchen Überraschungen verschont zu bleiben.
03 Kontakte mit Messingbürste reinigen
03 Kontakte mit Messingbürste reinigen
04 Kontakte mit Kontaktspray eingesprüht
04 Kontakte mit Kontaktspray eingesprüht
05 Belegung der Sicherungen
05 Belegung der Sicherungen

Fazit der Geschichte: Bitte schaut immer zuerst nach den Sicherungen, bevor eine große Aktion daraus gemacht wird. Außerdem ist es sinnvoll, alle paar Jahre die kompletten Sicherungen für kleines Geld zu tauschen und die Kontakte blank zu reinigen.


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Defektes Steuergerät (Näherungsschalter) für Sitzlehne


von Karl Kübler (CR32/S25)

Aus dem RT Schwäbisch Gmünd kam der Hilferuf, ob wir nicht bei einem „Sitzproblem“ helfen könnten. Bei dem Kollegen Xaver Klingenmaier fährt angeblich der Beifahrersitz immer nur nach vorn, wenn er den Sitzverstellschalter nach hinten drückt.

01 Dichtung B-Säule
01 Dichtung B-Säule
02 Rückwandverkleidung
02 Rückwandverkleidung


Erster Gedanke war, dass das Problem wohl am Näherungsschalter des Sitzes liegt, der immer nur dann reagiert, wenn die Sitzlehne an der B-Säule des Türeinstiegs aufläuft.Wir baten Xaver, er solle sich einen rechten Näherungsschalter kaufen und beim nächsten Oppenweiler-Workshop vorbeischauen.So war es dann auch, wir bauten den alten Schalter aus und den neuen ein. Der erste Probelauf war erfolgreich, und Xaver reiste zufrieden nach Schwäbisch Gmünd zurück.

03 Anordnung Näherungsschalter
03 Anordnung Näherungsschalter
04 Näherungsschalter
04 Näherungsschalter


Kosten Schalter: circa 45 Euro.

Aufwand Aus- und Einbau: circa 45 Minuten durch unseren Technikreferenten Werner Knaak




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Reparatur des Sitzverstellschalters beim R129


von Willi Veit und Karl Kübler RT Stuttgart/Heilbronn (CR18/S108 )

Fehlerbild:

Sitzverstellung lässt sich zeitweise nicht betätigen, z.B. Sitzpolster vor/zurück, oder auch in den anderen Funktionen.

Ursache:

Im Sitzverstellschalter befinden sich schlechte (so genannte „kalte“) Lötstellen zu den Kontaktstiften.

Wie man an diese Lötstellen „herankommt“ soll diese Beschreibung aufzeigen. Eine Demontage des Sitzverstellschalters wird hier aus Platzgründen nicht beschrieben. Dies und weitere Aus- und Einbauanleitungen sind in unserer speziellen R129- DVD zu finden, die man über unseren Club zum Sonderpreis beziehen kann.

Nur soviel ist zu sagen, dass bei Fahrzeugen vor Mopf 1 (Modellpflege 1) der Schalter direkt ausgebaut werden kann, nach Mopf 1 jedoch die gesamte Türverkleidung abgenommen werden muss. Sollte der Verstellschalter demontiert sein, ist es sinnvoll, auch gleich eine neue Glühbirne auszutauschen.

Sitzverstellschalter Folie (1)
Sitzverstellschalter Folie (1)
Sitzverstellschalter Folie (2)
Sitzverstellschalter Folie (2)
Sitzverstellschalter Folie (3)
Sitzverstellschalter Folie (3)
Sitzverstellschalter Folie (4)
Sitzverstellschalter Folie (4)
Sitzverstellschalter Folie (5)
Sitzverstellschalter Folie (5)
Sitzverstellschalter Folie (6)
Sitzverstellschalter Folie (6)
Sitzverstellschalter Folie (7)
Sitzverstellschalter Folie (7)


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Der Sitz, der sich nicht mehr bewegt


von



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